St. Johannis Friedhof zu Nürnberg

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Berühmte Bestattungsorte in der Altstadt

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REIHE Historische Friedhöfe/Friedhofsteile

Brückenstr. 9, 90419 Nürnberg

1. Impression St. Johannis Friedhof zu Nürnberg

Der Johannisfriedhof zählt neben dem Prager Judenfriedhof und dem Wiener Zentralfriedhof zu den eindrucksvollsten Begräbnisstätten in Europa.

Die Gräber werden von Epitaphien aus sämtlichen Kunstepochen geprägt – beginnend in der Spät­gotik, sich fortsetzend in Renaissance-Tafeln bis hin zu Reliefen aus dem Barock.

Die künstlerische Qualität, Vielfalt und Konzentration gilt als einzigartig und gibt zudem auch Aufschluss über die historische Entwicklung der handwerklichen Techniken wie Prägung,

Guss, Punzierung.

2. Feuerbach, Anselm (1829-1880)

Maler, Zeichner

(Alter Teil 715)

Der Neffe des bekannten Philosophen, Ludwig F., studierte ab 1845 an den Kunstakademien in Düsseldorf, München, Antwerpen und Paris. Ab 1854 erhielt er von seinem Gönner, dem Prinzregenten Friedrich von Baden, größere Aufträge sowie ein Stipendium für den lang ersehnten Italienaufenthalt. Auch Adolf Friedrich Graf von Schack unterstütze ihn mit Bildaufträgen. Als sein bedeutendstes Gemälde gilt »Das Gastmahl des Plato« (1869).

Die von seinem Freundeskreis betriebene Berufung als Nachfolger Karl von Pilotys an die Münchner Akademie machte sein früher Tod gegenstandslos. Seine Werke befinden sich in München u.a. in der Schackgalerie und der Neuen Pinakothek.

3. Dürer, Albrecht (1471-1528)

Maler

(Alter Teil 649)

D. lernte zunächst wie schon seine Großväter das Goldschmiedehandwerk, bevor er sich in der großen Werkstatt von Michael Wolgemut mit Malerei, Buchillustration und dem Druckwesen vertraut machte. Nach 4-jähriger Wanderschaft machte er sich 1495 in Nürnberg als Meister mit eigener Werkstatt sesshaft und arbeitete v.a. als Graphiker für den Holz- und Kupferstich.

Er erhielt alsbald Aufträge vom Kaiser (aufbewahrt in der Bayerischen Staatsbibliothek) und schuf als Kupferstecher Meisterwerke wie »Ritter, Tod und Teufel« (1513) und die »Melancholie« (1514). 1519 wohnte er der Kaiserkrönung von Karl V. in Aachen bei.

D. gehört zu den größten Bildnismalern der Neuzeit: er malte Wilibald Pirckheimer (1524), Melanchthon (1526) und Erasmus (1526) sowie 1493 sein erstes Selbstbildnis (Louvre), das zugleich das erste autonome Selbstbildnis eines Künstlers in der abendländischen Malerei ist.

4. Stoß, Veit (um 1447-1533)

Bildschnitzer, Maler in Krakau und Nürnberg

(Alter Teil 268)

Ab 1477 war V. in Krakau tätig, wo er neben Altären und Grabplatten für Könige, Erzbischöfe und Heilige auch sein Hauptwerk schuf, den größten geschnitzten Flügelaltar der deutschen Gotik (Krakauer Marienkirche). Obwohl man ihm in Krakau volle Freiheit in der Ausübung seiner Kunst sowie Steuerfreiheit bewilligte, trat er 1496 von Heimweh getrieben, die beschwerliche Rückreise in seine Geburtsstadt Nürnberg an.

In Nürnberg angekommen, wurde er, nachdem er von einem Kaufmann betrogen wurde, wegen daraufhin begangener Urkundenfälschung auf beiden Wangen mit glühendem Eisen gebrandmarkt und durfte die Stadt nicht ohne Genehmigung des Rates verlassen. Der Kaiser verwendete sich für ihn mit einer Wiedereinsetzung des Prozesses, der zu V.s Gunsten endete. Von den Nürnberger Bürgern weiterhin geächtet, erhielt er lediglich aufgrund seines herausragenden Talents bedeutende Aufträge aus dem Nürnberger Patriziat und v.a. auch vom Kaiser selbst, der ihn unter anderem an der Ausführung seines Grabmales mitarbeiten ließ.

V.s Büste befindet sich in der Ruhmeshalle in München. Als Zeitgenosse Tilman Riemenschneiders steht er ebenbürtig neben ihm.

5. Hartmann, Georg (1489-1564)

Mathematiker, Mechaniker

(Alter Teil 666)

Nach seinem Theologie- und Mathematikstudium in Nürnberg und einem 3-jährigen Italienaufenthalt ließ sich H. 1518 als Mathematiker und Vikar an der St. Sebaldkirche (ohne jedoch evangelisch zu werden) in Nürnberg nieder, wo er mit Albrecht Dürer, Willibald Pirckheimer und Melanchthon Freundschaft schließt.

In Nürnberg war er vor allem als Hersteller von Sonnenuhren (Entwürfe im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg) bekannt. Aus den Jahren 1527-62 haben sich knapp 80 seiner Sonnenuhr-Darstellungen erhalten. Seine Globen und Armillarsphären sind dagegen weitgehend verloren. Er gilt auch als Entdecker der Inklination der Magnetnadel.

6. Feuerbach, Ludwig Andreas (1804-1872)

Philosoph

(Neuer Teil 3K75)

F. studierte Philosophie und Theologie in Erlangen, Heidelberg und in Berlin bei Hegel.

Er promovierte und habilitierte sich 1828 in Erlangen im Fach Philosophie und hielt bis 1837 Vorlesungen zur Logik, Metaphysik und Geschichte der Philosophie. 1830 erschien anonym seine kritische Schrift »Gedanken über Tod und Unsterblichkeit«, in der F. den christlichen Jenseitsglauben als Hindernis entlarvte, die Unendlichkeit des Lebens im Augenblick zu erfahren.

Nach 1837 zieht er sich dauerhaft auf ein Schloss bei Ansbach zurück, wo seine Frau Mitbesitzerin einer ererbten Porzellanfabrik war. Hier formulierte er auch seine Hauptwerke und -thesen.

7. Sachs, Hans (1494-1576)

Schuhmacher, Dichter, Meistersinger

(Grab nicht erhalten)

S. erlernte das Schusterhandwerk, während er sich mit dem Meistergesang vertraut machte.

1520-45 in Nürnberg als Schuhmachermeister ansässig, bringt er es durch Erbe, Mitgift, Beruf und dichterische Tätigkeit zu Wohlstand.

Die Mitwirkung an einer antipäpstlichen Schrift einschließlich Verwarnung veranlassten ihn fortan, politische Kritik allegorisch auszudrücken. S. hielt überwiegend an den tradierten Formen der Handwerkerdichtung (Meisterlieder, Spruchdichtung) fest. Sein in 6 Jahrzehnten auf über 6.100

Titel angewachsenes Werk, ist dem Umfang und der Stofffülle nach beispiellos in der deutschen Literaturgeschichte. Manche seiner 85 Fastnachtsspiele zählen noch heute zum Repertoire von Laienspielgruppen.

8. Flötner, Peter (um 1490-1546)

Bildhauer, Formschneider

(Alter Teil 406)

Über das Leben F.s ist nicht viel bekannt. 1522 beschloss der Rat der Reichsstadt Nürnberg, »den fremden Bildschnitzer von Ansbach, Meister Peter« als Bürger aufzunehmen; 1523 leistete F. den Bürgereid.

Neben dem Einfluss durch Albrecht Altdorfer ist für sein gesamtes Werk v.a. Albrecht Dürers Kunst entscheidend. F. gilt als führend auf vielen wichtigen Gebieten der künstlerischen Produktion seiner Zeit: er zeichnet, fertigt Holzschnitte an und entwirft Möbel, Architekturteile und Figurenalphabete. Neben antiken und christlichen Themen zeigt er auch Figuren aus der deutschen Geschichte. 1530 schnitzte und entwarf F. den Pokal der Nürnberger Familie Holzschuher (die Holzschuherkapelle befindet sich auf dem St. Johannis Friedhof an der südwestlichen Friedhofsmauer).

9. Grübel, Johann Konrad (1736-1809)

Flaschnermeister, Nürnberger Mundartdichter

(Alter Teil 200)

G. besuchte nach der Volksschule die Zeichenkurse der städtischen Kunstschule in Nürnberg, um anschließend das väterliche Geschäft bis zu seinem Tode weiter zu führen. Er war nicht der erste Nürnberger Mundartdichter, aber der bedeutendste, und ist dies bis heute geblieben.

Er verarbeitete verschiedenste Stoffe und Formen, von der Anekdote, über die satirische

Plauderei bis hin zum Gelegenheitsgedicht. Viele seiner Werke wurden vertont. G.s virtuos in Mundart gereimten Briefe besprach sogar Goethe höchst anerkennend im Briefwechsel mit Schiller.

10. Wilson, William (1809-1862)

britischer Ingenieur, erster Lokomotivführer in Deutschland

(Neuer Teil 170/40)

W. war ab 1829 bei G. Stephenson als Mechaniker angestellt, der 1835 die Dampflokomotive für die erste deutsche Bahnlinie auslieferte. G. Stephenson schickte neben der Lok auch den Lokführer und Ingenieur W., der innerhalb von 8 Monaten einen Nachfolger ausbilden sollte.

Nach Vertragserfüllung drängte W. keineswegs zur Abreise, so dass sein Vertrag bis zum Ruhestand verlängert wurde. Das Jahresgehalt, das er bezog, lag über dem Verdienst des Generaldirektors der Eisenbahngesellschaft. Ab 1842 war seine Gesundheit schwer geschädigt, da er bei jedem Wetter ohne Wetterschutz auf der Lokomotive stand; erst um 1853 wurden Lokomotiven mit Schutzdächern ausgestattet.

11. Der Fiegertod

Beispiel für ein Epitaph aus dem 2. Weltkrieg

(Neuer Teil 1274)

Nicht wenige Epitaphien auf den Grabsteinen des St. Johannisfriedhofs berichten über die Weltkriege. Das vorliegende Bildepitaph zeigt einen durch einen Pfeil getroffenen Adler. Der Text lautet: »Feldwebel Julius Richter, geb. 15. Sept. 1920, gefallen im Luftkampf 22. Dez. 1943«.

Ab 1943 verschärfte sich der Luftkrieg über Nürnberg zunehmend. Nürnberg erlebte seit 1942 knapp 60 Luftangriffe, darunter 15 Großangriffe, deren Brände zum Teil ganze Stadtteile, wie die südliche Altstadt vollkommen zerstörten; insgesamt starben über 8.000 Menschen, darunter mehr als 6.000 Zivil­personen.

12. Das Münzer’sche Grabmahl (Müntzer, Wolfgang: 1524-1577)

Ritter

(Alter Teil 929)

M. pilgerte 1556 von Venedig nach Jerusalem und traf nach 6- wöchiger Reise im heutigen Jaffa an, wo er zum Ritter geschlagen wurde.

Als er sich bereits auf der Heimreise befand, wurde er aufgrund falscher Anschuldigungen verhaftet und in Jaffa, Damaskus und Konstantinopel über mehrere Jahre festgehalten und musste dort die Arbeit eines Galeerensklaven verrichten. 1559 erreichte er schwer geprüft Venedig. Die Grabsäule bildet die Erlebnisse dieser Zeit ab.

Vor seiner Pilgerreise legte er sein Testament als Stiftungsbrief für eine Kleiderstiftung nieder: Am Wolfgangstag, dem 31. Oktober, sollen jedes Jahr 100 Männer aus dem Nürnberger und Bamberger Land von Kopf bis Fuß neu eingekleidet werden. Die Stiftung überstand alle Währungen und wurde 1966 der Heilig-Geist-Stiftung zugeschlagen.

13. Pirckheimer, Willibald (1470-1531)

Humanist

(Alter Teil 1414)

P. studierte antike Literatur, Philosophie und Rechtswissenschaften (1489-95 in Padua und Pavia), wo er die Voraussetzungen für seine Tätigkeit als Mitglied des Rats der Reichsstadt Nürnberg (1496-1502 Junger Bürgermeister, 1505-23 einer der Alten Genannten) erwarb.

P. widmete sich seit etwa 1501 intensiv der Erschließung der griechischen Literatur und publizierte lateinische Übersetzungen von Plutarch und Lukian. Obwohl 1520 vom päpstlichen Bann bedroht, weil er (wahrscheinlich zu Recht) als (Mit-)Verfasser einer Satire gegen Martin Luthers Gegner Johannes Eck, verdächtigt wurde, beteiligte er sich öffentlich an der Diskussion über Glaubensangelegenheiten (1525: Einführung der Reformation in Nürnberg).

14. Kandt, Richard Dr. (1867-1918)

Psychiater, Afrikaforscher

(Alter Teil 478)

Nach dem Medizinstudium in Heidelberg und München, übte K. seinen Beruf in psychiatrischen Anstalten in Bayreuth und München aus.

1897 unternahm er eine selbst finanzierte Expedition nach Tansania und stieß auf der Suche nach den vermuteten Nil-Quellen bis nach Ruanda vor. Von dieser Reise berichtet er in seinem zweibändigen Werk »Caput Nili. Eine empfindsame Reise zu den Quellen des Nils« (1904, 61925, Nachdr. 1991, holländ. 1904), das zugleich das Königreich Ruanda um 1900 aus der Sicht eines Europäers schildert. 1907-13 war er Leiter des von ihm eingerichteten Koloniedistrikts Ruanda.

15. Schwanhäußer, Gustav (1840-1908)

Gründer der Schwan-Bleistiftfabrik

(Neuer Teil 101/128)

1866 erwarb S. eine in Konkurs gegangene Bleistiftfabrik. Neben der erfolgreichen Bleistiftproduktion unter der vom Familiennamen abgeleiteten Marke »Schwan«, entwickelte er 1875 ein neues Verfahren zur Herstellung farbiger Kopierstifte, errichtete Filialen in Wien (1884) und Berlin (1898) sowie in Europa und Übersee. Das um 1900 in »Schwan-Bleistift-Fabrik« umbenannte Unternehmen erreichte 1913 eine Jahresproduktion von 48 Mio. Stiften.

Seine Söhne Eduard (1871–1932, Wirtschaftswissenschaftler) und August (1872–1965, Chemiker) übernahmen die Leitung des 1923 in eine familiengeführte Aktiengesellschaft umgewandelten Unternehmens (Schwan-Bleistift-Fabrik AG) mit 250 Beschäftigten. 1925 gelang die Entwicklung des Dünnkernfarbstifts mit bruchstabiler Mine (STABILO).

16. Cramer-Klett, Theodor von (1817-1884)

Kaufmann, Industrieller

(Neuer Teil I-30)

C.-K. erhielt eine kaufmännische Ausbildung in den väterlichen Firmen und in Prag; 1838-39 besuchte er bei Schelling Vorlesungen an der Universität München. Nach seiner anschließenden Tätigkeit in einem Genfer Bankhaus (1841–42), erwarb C.-K. 1844 in Nürnberg eine Verlags-buchhandlung und eine der angesehensten Zeitungen, deren Redaktion er auch führte.

1847 übernahm C.-K. die Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett, die er 1873 in die Maschinenbau-AG Nürnberg umwandelte (1898 Zusammenschluss zur heutigen M.A.N.).

1880 war er neben Carl Thieme einer der Begründer der Münchner Rückversicherungsgesellschaft.

17. Die Totengräber

Beispiel für das Epitaph eines Totengräbers

(Alter Teil 1858)

Die Inschrift des Epitaphs lautet: »Hanns Widtmann Todengräber auf dem St. Johanniskirchhof und Anna Regina dessen Ehewirtin und Ihrer Leibs-Erben Begräbnüs«.

Das obige sog. redende Wappen stellt einen Totengräber in Tracht dar: in der rechten Hand hält er eine Mondsichel und in der linken eine Schaufel. Bis ins 19. Jhdt. verrichtete der Totengräber seinen Dienst zumeist bei Nacht als Zubrot, worauf die Mondsichel verweist.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert wurden in Nürnberg Särge aus Holz bzw. Metall eingeführt, die bis dahin ausschließlich angesehen Persönlichkeiten vorbehalten waren. Diese lösten nach und nach die bis dahin üblichen Säcke und Tucheinschläge ab.

18. Die Schneider

Beispiel für das Epitaph eines Schneiders

(Alter Teil 1220)

Der Text des Epitaphs lautet: »Eucharius Mechtel Brigita sei-/ner Ehewirtin und Euchari Breu-/dgam Monica seiner Ehw. beide/ schneider und Ihrer leibs Erben begreb«. Das Handwerkerzeichen besteht aus zwei verzierten Schneiderscheren und bildet auf beiden Seiten die Anfangsbuchstaben der Familien ab.

Die Zulieferer der Schneider kamen aus verschiedenen Berufen, wie Weber, Kürschner, Tuchbereiter, Wollkämmerer; Heftleinmacher stellten die Nadeln her, Klingenschmiede fertigten die Klingen. Insgesamt weisen knapp 20 Grabmale auf dem Johannisfriedhof die Scheren der Schneider auf, aber auch die Barbiere und Wundärzte haben Scheren auf ihren Epitaphien.

19. Die Fingerhutmacher

Beispiel für das Epitaph eines Fingerhutmachers

(Alter Teil 910)

Die Inschrift des Epitaphs lautet im oberen Schriftband: »Hans Tober sein Begrebtnus 1580«. Dieses Grab gehörte also Hans Tober ab 1580. Das Handwerkszeichen besteht aus zwei Engeln, die einen Kelch halten, sowie fünf gemusterten Fingerhüten, zwei davon sind breitere Daumen-fingerhüte.

Nürnberg war Hauptherstellungsort für Fingerhüte, die in vielen Gewerben als Schutz gegen Fingerverletzungen benötigt wurden. In den Meisterbüchern ab 1460 erscheinen die Fingerhüter zusammen mit den Rotgießern als Handwerk, ab 1530 als eigenständiges Handwerk; gießen dürfen sie jedoch nicht, so dass der gegossene Fingerschutz weiterhin nur von Rotgießern hergestellt wird. Die Gewinnung von Fingerhutrohlingen setzte großes Geschick voraus; viele Fingerhüte waren daher auch verzierte Schmuckstücke.

20. Die Panzermacher

Beispiel für das Epitaph eines Panzermachers

(Alter Teil 1405)

Das Handwerkszeichen zeigt ein Kettenhemd mit den Anfangsbuchstaben des Namens und der Jahreszahl 1596. Die Inschrift des Epitaphs lautet: »Michael Kobolt Ban-/tzermacher, Agnes und Ma-/ria seiner beiden Ehewirtin/und Ihrer Erben Begrebtnus«.

Die Kettenhemden wurden in mehrmonatiger Arbeitszeit aus vielen hundert Metallringen hergestellt. Nürnberg war damals mit seinen hohen Produktionszahlen eines der größten europäischen Zentren für die Herstellung von Blanck- und Feuerwaffen. In Nürnberg gefertigte Rüstungen gelten bis heute als Glanzstücke in- und ausländischer Museumssammlungen und Schlösserbestände.

21. Die Barchentweber

Beispiel für das Epitaph eines Barchentwebers

(Alter Teil 1920)

Die Inschrift lautet: »Leonhard Spädt Barchentweber/Barbara sein Ehewirtin Ihr unnd/Ihrer leibs Erben und Nachkommen/Begrebnus Denen Gott genad Ao 1608«.

Als Handwerkszeichen sind die drei Weberschiffchen abgebildet. Barchent ist ein Baumwollgewebe, das durch Webfertigkeit eine besonders dichte und aufgeraute Unterseite erhalten hat. Die Stadt Nürnberg bemühte sich im ausgehenden 15. Jhdt. um den Zuzug schwäbischer Barchentweber, um mit den angesehenen Barchentwebereien in Augsburg konkurrieren zu können.

Im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindet sich heute ein Handwerksstuhl der Weber mit dem Emblem der drei Weberschiffchen aus dem Jahre 1718.

22. Die Büttner

Beispiel für das Epitaph eines Büttners

(Alter Teil 1231)

Das vorliegende Epitaph zeigt den Meister beim Auftreiben der Reifen einschließlich seinem Arbeitsmittel, einem Fass mit Spundloch. Die Inschrift lautet: »Des Ersamen matthes Kesseler Bittner Barbara sein Ehwirdin unnd Irer beider leibes Erbenn Begrebnüs Anno 1630«.

Das Handwerk der Büttner hat eine lange Tradition. Im 14. Jhdt. wurden die Fässer nicht nur für Wein, sondern auch als Transportbehälter verwendet. Die aufkommenden Metallfässer verdrängten zunehmend die Fässer aus Holz, in den 1980er Jahren waren in Franken nur noch 20 Büttner gemeldet.

23. Die Lebküchner (Leckküchner)

Beispiel für das Epitaph eines Lebküchners

(Alter Teil 1999)

Die Inschrift des Epitaphs lautet: »Des E. Georg Friderich Grim Leckküchner, Elisabet sein Ehwirtin, und Ihrer baider leibs Erben Begrebnus. Anno 1610«. Das Handwerkerzeichen stellt drei (braune) Lebkuchen dar, einer trägt die Initialen des Herstellernamens »G.F.G«.

›Leckküchner‹ ist in Nürnberg die gebräuchliche Bezeichnung für den sich zunehmend vom Bäckerhandwerk ablösenden Berufsstand. Auch G.F.G. besaß vermutlich entsprechend den Vorschriften der neuen Handwerksordnung von 1629 einen eigenen Backofen, und musste seine Backwaren daher nicht mehr zu einem Bäcker zum Backen bringen. Obwohl die Leckküchner bereits Ende des 14. Jahrhundert erwähnt werden, erhielten sie erst 1643 den Status eines Handwerks mit eigener »Ordnung, Herberge und Lade«.

24. Die Zirkelschmiede

Beispiel für das Epitaph eines Zirkelschmieds

(Alter Teil 581)

Der Epitaphtext lautet: »Hanß Polsters Zirckel-/schmieds Katharina sein-/er Ewirtin und Ihrer bei-/der Erben begrebnis. 1589«.

Das detaillierte Handwerkerzeichen bildet einen Zirkel mit Links- und Rechtsgewinde zum schnellen und spielraumfreien Verstellen ab. Darunter befindet sich eine Licht-Putzschere.

Ein Zirkelschmied fertigte Präzisionswerkzeuge, die zum Konstruieren, Bearbeiten, Vermessen aber auch als Chirurgenbesteck Verwendung fanden. Um 1600 waren ca. 100 Zirkelschmiede in Nürnberg tätig, die eine Wochenproduktion von 1-3 Zirkeln anfertigten. Die »Zirkelschmiedgasse«, südlich der St. Jakobskirche, erinnert an diesen wichtigen Zweig der Nürnberger Handwerkerkunst, die bis heute für Nürnberg bedeutend ist.

Der St. Johannisfriedhof umfasst etwa 6.500 Gräber. Insgesamt haben sich auf dem St. Johannisfriedhof auf rund 1.600 Grabsteinen jeweils ein oder mehrere Epitaphien erhalten, welche jetzt unter Denkmalschutz stehen. Bei der Neuvergabe von Gräbern wird darauf geachtet, dass die alten Tafeln auf den Gräbern belassen werden und nur zusätzlich ein Epitaph für die Neubelegung angebracht werden darf.

Die Grabsteine sind größengenormt (drei zu sechs Nürnberger Werkschuhen: ca. 80 x 1,70 cm) und streng axial ausgerichtet. Damit wurde es zur Regel, nur liegende Grabsteine aus Sandstein anzubringen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde auf die genaue Einhaltung der Maße immer häufiger verzichtet.