Melaten-Friedhof (Alter Ehrenfelder Friedhof / »Zentralfriedhof« Kölns)

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Düsseldorfer Nordfriedhof

Düsseldorfer Nordfriedhof

Besucheradresse: Stadtteil Lindenthal, diverse Eingänge, Köln

Skulptur »200 Jahre Melaten«: Einweihung des Melaten-Friedhofs im Juni 1810

Das heutige Friedhofsareal befindet sich auf dem Grund des Gutes »Melaten«, dessen Verbindung mit dem Tod bis ins Mittelalter zurückreicht:

Der Name »Melaten« wurde aus dem Französischen entlehnt, von »malade«/krank sein.
Vom 12. bis Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich auf dem Gelände vor den Stadttoren ein Asyl für Leprakranke. Leprakranke galten als Aussätzige, die das Gut nur an bestimmten Feiertagen mit einem Schellenknecht verlassen durften: der Schellenknecht ging den Kranken voran und warnte die Bürger vor der ansteckenden Krankheit.

Später diente Melaten als öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt, aber auch Protestanten und »Hexen« wurden hier verbrannt.

Prunkvolle Grabgestaltung in der »Millionenallee«: Die folgenden Bilder zeigen die

Vielfalt und den Prunk der aufwändig gestalteten Grabdenkmäler in der sogenannten »Millionenallee« (hier: die Hauptachse in ost-westlicher Richtung)

Auf Melaten wird die Sozialgeschichte Kölns lebendig: mehrere Jahrzehnte lang wurden hier alle bestattet, die Armen und die Reichen. Die soziale Hierarchie des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende wird nach wie vor besonders an den Hauptachsen, wie den »Millionenallen« (in ost-westlicher und in nord-südlicher Richtung) augenscheinlich.

Prunkvolle Grabgestaltung in der »Millionenallee«:
Grabzeichen für die Familie Emil Oelbermann

Prunkvolle Grabgestaltung in der »Millionenallee«:
Grabzeichen für Dr. Karl Funke-Kaiser und Gertrud Funke-Kaiser

Interkulturelle Grabgestaltung in der »Millionenallee«

Gemeinschaftsgrabstätten in der »Millionenallee«

Kölner Altstadtpfarrer

»Um ein Gebet bitten die hier ruhenden Pfarrer der Kölner Altstadt 1880-1942«

In der »Millionenallee« gibt es nicht nur prunkvolle Einzelgrabstätten, sondern auch Gemeinschaftsgrabanlagen.

Angehörige des Franziskaner-Ordens

»Hier erwarten die Franziskaner ihre Auferstehung«

Kölner Originale

Hans Böckler (1875-1951): Gewerkschafter, Sozialpolitiker

Nach seiner Lehrzeit als Goldschläger (Herstellung von Blattgold) wurde er um die Jahrhundertwende Mitglied der SPD und eines Metallarbeiterverbands, in dem er die Gewerkschaftsarbeit von Grund auf erlernte. Nach 1945 war B. einer der Hauptbeteiligten am Wiederaufbau der Gewerkschaften und ab 1947 deren 1. Vorsitzender.

Im Laufe seines (Berufs-) Lebens erwarb er sich als Mensch große Wertschätzung, so dass er 1951 auf Melaten unter großer Anteilnahme beigesetzt wurde.

Wilhelm »Willi« Ostermann (1876-1936)

Vor allem in seiner Geburtsstadt Köln war O. ein sehr berühmter Verfasser von Heimat- und Karnevalsliedern, hauptsächlich in Kölscher Mundart, die er auch selbst vorgetragen hat.

Willy Millowitsch (1909-1999): einer der bekanntesten deutschen Theaterschauspieler, Leiter des privaten Kölner Millowitsch-Theaters

Bis ins Jahr 1796, der erstmaligen Erwähnung seines Ururgroßvaters in der Kölner Stadtchronik, lässt sich die familiäre Verbundenheit zum Theater zurückverfolgen. So sammelte auch M. seine ersten Bühnenerfahrungen am familieneigenen Theater. Ohne geregelte Ausbildung, erlernte M. das Schauspielerhandwerk ab dem 14. Lebensjahr. Von 1940 an leitete er 56 Jahre lang das Millowitsch-Theater in Köln.

Der traditionsreiche Familienbetrieb und die gleichzeitig sehr populäre Volksbühne, knüpfte frühzeitig Kontakte zum WDR, der ab 1953 regelmäßig Inszenierungen aus dem Millowitsch-Theater übertrug. M. eroberte als Theaterproduzent, Direktor, Regisseur und Schauspieler (meist Hauptdarsteller) das Publikum mit unbeschwerter Unterhaltung.

M. wurde als zweiter »Laie« nach Konrad Adenauer im Kölner Dom aufgebahrt, was sonst Bischöfen und Kardinälen vorbehalten ist.

Kölner Erfinder und Unternehmer

Johann Maria Farina (1685-1766): Erfinder des »Eau de Cologne« / »Kölnisch Wasser«

1714 trat F. in die Dienste der fünf Jahre zuvor von seinem Bruder gegründeten Fabrik ein. Mit seinem häufig kopierten Duftelixier, das er unter Bezugnahme auf seine neue Heimat »Eau de Cologne« / »Kölnisch Wasser« nannte, führte er das Unternehmen »Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz« zu Weltbekanntheit.

Nicolaus August Otto (1832-1891): Maschinenbauer, Unternehmer, (Mit-) Erfinder des nach ihm benannten Motors

1864 gründete O. zusammen mit dem Ingenieur Eugen Langen die Gasmotorenfabrik Deutz. Gemeinsam erfanden sie 1867 einen Gasmotor. Gut 10 Jahre später schuf O. mit seinem Viertaktgasmotor einen entwicklungsfähigen Prototypen, der zum Vorbild für den gesamten weiteren Verbrennungsmotorenbau wurde.

Obgleich O. unabhängig von seinem Kollegen und Theoretiker Alphonse Beau de Rochas (1815-1893) arbeitete, verlor O. die Patentrechte an seinem neuen Motor. Alphonse Beau de Rochas hatte bereits 1862 die Arbeitsweise eines Viertaktmotors beschrieben, allerdings hat er die Konstruktion nie praktisch umgesetzt.

Ludwig Stollwerck (1857-1922): Schokoladenfabrikant, Förderer der Cinematographie

S. war einer der führenden Schokoladefabrikanten des Deutschen Kaiserreiches. Bereits sein Vater war Hoflieferant des preußischen Hofs. S. begann seine Laufbahn mit einer kaufmännische Lehre im väterlichen Süßwarenbetrieb, bevor er gemeinsam mit seinen Geschwistern das Unternehmen »Gebr. Stollwerck« gründete, wo er die Verantwortung für Vertrieb, Werbung und Export übernahm.

Er gestaltete aufwändige und ausgefallene Werbe- und Vertriebsmethoden, wie den Verkauf von Schokolade in Automaten und beauftragte bekannte zeitgenössische Künstler, unter anderem Adolph von Menzel (1815-1905) mit der Gestaltung von Schokoladenalben.

Im Jahr 1896 brachte S. erste Filmaufnahmen nach Köln. Er hatte die Verwertungsrechte am Vorführgerät der Brüder Auguste und Louis Lumière aus Lyon aufgekauft. Mit dem Tod L.s und seines jüngeren Bruders Carl endete die Erfolgsgeschichte der Stollwerck AG.

Peter Joseph Früh (1862-1915): Brauereigründer

F. wurde 1862 als ältestes von 16 Kindern eines Braumeisters geboren. 1904 gründete F. den Brauereibetrieb mit Schankwirtschaft »Cölner Hofbräu Früh« in Sichtweite zum Dom und unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof.

1999 trat die fünfte Generation in die Führungsebene des traditionsreichen und stetig modernisierten Familienunternehmens ein.

Friedrich Carl Freiherr von Oppenheim (1900-1978): Bankier, Europapolitiker

Im familieneigenen Unternehmen »Salomon Oppenheim jr. & Cie.«, 1789 in Köln gegründet, erhielt O. seine Bankausbildung. 29-jährig stieg er als geschäftsführender Teilhaber in das Bankhaus ein.
Im Laufe seines Berufslebens saß er dem Aufsichtsrat vieler deutscher Unternehmen vor, wie der »Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG« und beriet zahlreiche Firmen.

Nach 1945 forcierte er als Präsident der Europaunion die Idee eines Vereinigten Europas. Er selbst beschrieb sich gerne als »Kölschen Europäer«. Als Bankier förderte er den wirtschaftlichen Aufschwung Berlins. Für seine Verdienste am Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, verlieh ihm die Technische Universität in Berlin einen Ehrendoktortitel. In Frankreich wurde er von General de Gaulle zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt.

Marcus Theodor DuMont (1784-1831): Verleger, Gründer der Kölnischen Zeitung

Nach dem Tod seines Schwiegervaters erbte D. eine Druckerei sowie die »Kölnische Zeitung«. Innerhalb kurzer Zeit konnte er die Auflage der stagnierenden Zeitung anheben. Seine zunehmend politische und frankreichkritische Berichterstattung wurde von Napoléon verboten. Gegen Zahlung einer Entschädigung musste er das Blattmachen einstellen.

Mit dem Einzug Preußens in Köln, konnte D. seine Zeitung wieder herausgeben, von 1814 bis 1945 erschien die »Kölnische Zeitung« ununterbrochen.

1815 gründete D. einen Verlag, deren Publikationen er in der Sonntagsbeilage der »Kölnischen Zeitung« bewerben konnte. Der Verlag wird bis heute in Familienbesitz fortgeführt.

Kunstschaffende / Kunstsammler

Jón Stefán Sveinsson (1857-1944): isländischer Erzähler

Mit 14 Jahren verließ S. seine isländische Heimat und arbeitete zunächst in Dänemark, Österreich und Frankreich, bevor er sich 1938 in Köln niederließ.

Viele seiner Bücher schrieb er in deutscher Sprache. Seine autobiografischen Kinderbücher von dem Jungen Nonni wurden international erfolgreich: »Nonni. Erlebnisse eines jungen Isländers« (1913), »Nonni und Manni« (1914), »Wie Nonni das Glück fand« (1934), »Nonni erzählt« (1936) etc.

Heinz Günther Konsalik (1921-1999): Autor von Unterhaltungsromanen, einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftsteller

Mit 16 Jahren veröffentlichte er erste Erzählungen und schrieb für das Feuilleton mehrerer Kölner Zeitungen. In München und Wien studierte er Medizin, Theaterwissenschaften und Germanistik. Nach 1945 arbeitete K. zunächst als Journalist, Lektor und Redakteur. 1951 ließ er sich als freier Autor nieder und wurde zum meistgelesenen deutschen Schriftsteller.

1956 gelang ihm mit seinem Roman »Der Arzt von Stalingrad« der Durchbruch. Von nun an wurden alle seine Bücher Bestseller.

In seinen Unterhaltungsromanen nahm er immer wieder Bezug auf seine eigenen Kriegserlebnisse während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion. Insgesamt publizierte er 155 Romane mit einer Weltauflage von 84 Mio., aus der 11 Verfilmungen hervorgingen. Seine Kritiker zählen sein wirtschaftlich überragend erfolgreiches Werk zur »Trivialliteratur«.

August Sander (1876-1964): einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, Hauptvertreter der »Neuen Sachlichkeit«

Von Köln aus unternahm S. seine ersten Reisen in die ländlichen Regionen des Westerwalds, wo

er als »Wanderfotograf« seinen Kundenstamm erweiterte. Im Westerwald entstanden auch die ersten 12 Bauernbildnisse, die Teil seines Versuchs einer Typologie des deutschen »Menschen des 20. Jahrhunderts« wurden.

1929 publizierte er sein Gesellschaftsportrait »Antlitz der Zeit« (»eine Soziologie der letzten dreißig Jahre in Bildern«) mit 60 Bildern und einer Einleitung von Alfred Döblin. An der legendären Ausstellung des Museum of Modern Art, »The Family of Man« (1955) nahm er mit drei Fotografien teil.

Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861): Dombaumeister, Architekt

Nach seinem Studium lernte er ab 1828 im Architekturbüro von Karl F. Schinkel. Er führte etliche

von Karl F. Schinkels Plänen an öffentlichen Großbaustellen aus.

1833 kam Z. nach Köln, um als königlicher Bauinspektor die Domarbeiten zu leiten. Er zeichnete verantwortlich für die Organisation, bauliche Ausschmückung, aber auch für die finanzielle Unterstützung von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen.

Neben den Dombauarbeiten führte er zahlreiche andere Bauprojekte durch. Der Kölner Dom wurde bis auf die zwei Haupttürme noch zu Z.s Lebzeiten fertiggestellt. Für die meisten seiner Kölner Zeitgenossen war er der große Baumeister, der sich sein eigenes Denkmal gesetzt hatte. Seine heutige Aufnahme im Rahmen von Restaurationsfragen ist sehr viel verhaltener, bisweilen wirft man ihm eine willkürliche »Verbesserung« der Gotik der alten Meister vor.

Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824): Botaniker, Mathematiker, Theologe, Priester, Kunstsammler

1772 empfing W. die Priesterweihe. Gleichzeitig unterrichtete er am Gymnasium, wo ihm sich ein Großteil der Lehrerschaft feindlich entgegenstellte, da er vehement für eine Reformierung des »verrotteten Unterrichtswesens« eintrat. Im Laufe seines Lebens schloss er noch ein Medizin- und ein Philosophiestudium mit dem Doktorgrad ab. 1794 wurde W. zum Rektor der Universität Köln gewählt.

Im selben Jahr wurde Köln von Frankreich besetzt. Eine Zeit, die von der Verschleppung und Vernichtung vieler Kunstgegenstände geprägt war. W. katalogisierte die vermissten Kunstschätze und setzte sich nach dem Rückzug der Franzosen sehr erfolgreich für deren Rückgabe ein.

Seine privat zusammengetragenen Kunstsammlungen vermachte er seiner Heimatstadt Köln unter der Bedingung, dass diese für alle Zeiten in Köln verbleiben. Erst einige Jahre nach seinem Tod entstand ein würdiger Museumsbau, der zurecht den Namen »Wallraf-Richartz Museum« trägt.

Besondere Grabfiguren

Ein Winzer bei der Begutachtung seiner Ernte

Der Sensemann (Patenschaftsgrab)

Das wohl bekannteste Grabzeichen auf Melaten wurde für die Grabstätte von Johann Müllemeister erschaffen. Heute wird es als Patenschaftsgrab gepflegt und weiter belegt.

Friedhofsgeschichte ist immer auch Kriegsgeschichte…

Kriegerische Erinnerungen an Napoleon III. (1808-1873)

»Zum Andenken an die unter den Armeen Napoleons fern von ihrer Heimat gefallenen Krieger der Stadt Coeln.

Errichtet von ihren Cameraden am 6. Juli 1853«

»Zum Andenken an die zu Coeln in Folge des Krieges 1870-71 verstorbenen Soldaten Deutschlands.«

Gedenkmonument an den Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871

Der Friedhof zu Melaten spiegelt auch die Verwicklung der Kölner Bürger in die Kriege der jeweiligen Epochen wider.

Die Entwicklung des Friedhofs ist eng verbunden mit der französischen Besatzungszeit ab 1794.
Das Kölner Begräbniswesen wurde in dieser Zeit vom Grund auf geändert:

Napoleon verbot 1804 per Dekret die bis dahin übliche Beisetzung innerhalb der Stadtmauern. Hygienische Überlegungen beendeten zudem jäh die Tradition, in der Kirche oder im (überbelegten) Kirchhof zu bestatten.