Spaziergang auf dem Friedhof am Perlacher Forst

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Starnberg

Starnberg

Stadelheimer Straße 24, 81549 München

1. Aussegnungshalle (Station 1)

Die Entwürfe für den Friedhof am Perlacher Forst und seine Hochbauten stammen von Stadtbaurat Hermann Leitensdorfer.

1931 wurde der städtische Großfriedhof eröffnet und für Bestattungen freigegebenen. Er umfasst auf knapp 30 Hektar rund 27.000 Grabplätze, zwei Ehrenhaine sowie eine Grabanlage für »Displaced Persons«.

In den Jahren 1942-45 entwickelte sich das angrenzende Gefängnis Stadelheim zu einer der zentralen Hinrichtungsstätten in Deutschland, der Friedhof wurde Begräbnisstätte für mehrere Tausend Opfer des NS-Regimes.

2. Baumann, Jakob (1908-1995)

Kaufmann, Stadtrat 1965-1978
7-A-23 (Station 2)

Als Kriegsheimkehrer widmete sich B. intensiv dem kulturellen Wiederaufbau der Stadt. 1947 erwirkte er nach langwierigen Verhandlungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht die erforderliche Lizenz für den gemeinnützigen Verein »Theatergemeinde München«, die das breite und zerstreute Publikum – ebenso wie verbannte Stücke – zur Bühne zurück­holen wollte. Noch im selben Jahr startete der Karten­verkauf in einer Baracke am Stachus.

Mit Beschluss vom Mai 2006 wurde die Jakob-Baumann-Straße im Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied nach ihm benannt.

3. Vogl, Hans (1898-1988)

Bildhauer
7-A-40 (Station 3)

Nach einer Bildhauerlehre war V. 1922-30 (Meister-) Schüler an der Akademie der Bildenden Künste in München. German Bestelmeyer (1874-1942) wurde sein Förderer, von ihm erhielt er Aufträge für Architekturplastiken, wie das Relief des lehrenden Christus am Kirchenportal der von Bestelmeyer entworfenen St. Stephanuskirche in Neuhausen.

Nach 1945 schuf V. für München u. a. den Franziskus-Brunnen am Mariahilfplatz / Au (1960). 1984 wurde das Bronze-Standbild des Namenspatrons Winthir, das sich am Eingang der Grundschule Neuhausen befindet, eingeweiht.

4. Hoegner, Wilhelm (1887-1980)

Staatsanwalt und Richter, »Vater der Bayerischen Verfassung«,
Bayerischer Ministerpräsident, Prof. Dr. jur.
7-A-56 (Station 4)

Nach seinem Jurastudium begann H. seine berufliche Laufbahn bis zur Amtsenthebung 1933 als Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter und Landgerichtsrat. Seit 1919 gehörte er der SPD an und war Mitglied des Bayerischen Landtags (1924-32) und auch des Reichstags (1930-33).

Als scharfer Ankläger der Nationalsozialisten, floh H. 1934 in die Schweiz und arbeitete im Züricher Exil zusammen mit dem ebenfalls aus München emigrierten Staatsrechtler Hans Nawiasky an einer deutschen Nachkriegsordnung.

1945 wurde H. von der amerikanischen Militärregierung zum Bayerischen Ministerpräsidenten bestellt.

5. Streitle, Jakob (1916-1982)

Fußballnationalspieler: Anfang der 1930er Jahre kam der gelernte Feinmechaniker als Nachwuchstalent zum 1. FC Bayern München
72-1-19 (Station 5)

Trainer Sepp Herberger nominierte den 21-Jährigen Abwehrspieler des FC Bayern München für das 22er-Aufgebot zur Fußball-Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich. Die Mannschaft des Deutschen Reichs musste allerdings frühzeitig die Heimreise antreten.

Ab der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach 1945 gehörte der zweikampfstarke Abwehrspieler wieder dem Spieleraufgebot des FC Bayern München an – damals in der Fußball-Oberliga Süd.

6. Frisch, Karl Ritter von (1886-1982)

Zoologe, Verhaltensforscher, Verhaltensbiologe, Nobelpreis (Medizin) 1973,
Prof. Dr. phil., Dr. hc. mult.
71-1-41 (Station 6)

F. studierte Medizin in Wien und habilitierte sich 1912 in München als Privatdozent für Zoologie. Bis zu seiner Emeritierung 1958 leitete er das Zoologische Institut der Universität München und brachte ihm Weltbekanntheit ein.

Das NS-Regime hatte F.s Forschungsarbeit aufgrund ihres unmittelbar verwertbaren Nutzens nicht ernsthaft behindert.

F. spezialisierte sich auf die Verhaltensphysiologie verschiedener Tiere, insbesondere die der Bienen, und legte hierzu grundlegende Forschungsergebnisse vor. Zusammen mit Konrad Lorenz und N. Tinbergen erhielt F. 1973 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

7. Scholl, Sophie (1921-1943)

Biologie- und Philosophiestudentin, Widerstandskämpferin,
Mitglied der Widerstandsgruppe »Weiße Rose«
73-1-18/19 (Station 7)

Als Mitglied des Bundes Deutscher Mädel war S. dem Nationalsozialismus gegenüber zunächst positiv eingestellt. Erst unter dem Eindruck ihrer Erfahrungen während des Arbeitsdienstes wuchs ihre ablehnende Haltung. Durch ihr Studium kam sie mit Prof. Kurt Huber zusammen, der sie in ihrer Abwehrhaltung gegenüber dem politischen Regime der Gewalt bestärkte.

Ab 1942 nahm sie an der Herstellung von Flugblättern der »Weißen Rose« teil, in denen zur Sabotage von Rüstungsbetrieben aufgerufen und die Ausrottung der Juden gebrandmarkt wurde. Beim Auslegen des sechsten Flugblatts wurden sie denunziert, verhaftet und hingerichtet.

8. Scholl, Hans (1918-1943)

Medizinstudent, Widerstandskämpfer,
Gründungsmitglied der der Widerstandsgruppe »Weiße Rose«
73-1-18/19 (Station 8)

S. war als Schüler Führer in der Hitlerjugend und zunächst ein begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus.

Sein Medizinstudium wurde durch den Krieg mehrfach unterbrochen, den er als Sanitätssoldat in Frankreich, Russland und an der Ostfront mitmachte. Als Gründungsmitglied gehörte S. der aus Studenten, Künstlern und Gelehrten gebildeten Widerstandsgruppe »Weiße Rose« an.

Als sie im Februar 1943 ihr sechstes Flugblatt in den Lichthof der Münchner Universität warfen, wurden sie gemeinsam mit dem Studienfreund Christoph Probst durch den Volksgerichtshof zum Tod durch das Fallbeil verurteilt.

9. Probst, Christoph (1919-1943)

Medizinstudent, Widerstandskämpfer,
Gründungsmitglied der Widerstandsgruppe »Weiße Rose«
73-1-18/19 (Station 9)

P. studierte seit 1939 Medizin in München und schloss sich über seinen Studienfreund Alexander Schmorell der »Weißen Rose« an.

Nach seiner Einziehung zum Wehrdienst nahm er bei Besuchen in München weiterhin an den Flugblattaktionen der Widerstandsgruppe teil. Als nach der Verhaftung der Geschwister Scholl seine Briefe gefunden wurden, wurde auch P. von der Gestapo verhaftet und in München-Stadelheim hingerichtet. Der Versuch von Hans und Sophie Scholl, die Schuld alleine auf sich zu nehmen, um P. zu entlasten, schlug fehl.

10. Scholl, Robert (1891-1973)

Jurist, freier Wirtschaftsberater, Oberbürgermeister der Stadt Ulm
73-1-18/19 (Station 10)

S. legte nach zwei Bürgermeisterstationen in Ingersheim (1917-20) und Forchtenberg (1920-30) sein politisches Amt nieder und wurde freier Wirtschaftsberater in Ulm. Als Vater von Hans und Sophie S. wurde er in Sippenhaft genommen und erst 1945 von der französischen Militärregierung aus dem Gefängnis befreit und zum Oberbürgermeister der Stadt Ulm bestellt. Dieses Amt hatte er bis 1948 inne, anschließend siedelte er nach München über.

Seine älteste Tochter Inge Aicher-Scholl (1917-1998) ist die Gründerin der Ulmer
»Geschwister Scholl-Hochschule für Gestaltung«.

11. KZ-Ehrenhain I

Gräberfelder 58-61 (Station 11)

Hinter dem besonderen Gedenkstein befindet sich ein Gräberfeld mit 44 Bodenplatten, unter denen fast 4.000 Urnen beigesetzt sind. Ehrenhain I wurde als lebendiges Andenken an die Opfer der Konzentrationslager Dachau, Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg geschaffen.

Im Gegensatz dazu ist das Sammelgrab Ehrenhain II letzte Ruhestätte von 93 Justizopfern, die im benachbarten Gefängnis Stadelheim durch das Fallbeil ermordet wurden.