Spaziergang auf dem Waldfriedhof Grünwald

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Starnberg

Starnberg

Tölzer Str. 43, 82031 Grünwald

1. Impression Waldfriedhof Grünwald

Der Waldfriedhof Grünwald wurde Ende der 1920er Jahre im Süden der Gemeinde Grünwald angelegt. Auf dem Gemeindegebiet liegen neben einem bekannten Wohnviertel auch die Bavaria-Filmstudios: die vielen Grabstätten von Schauspielern und Künstlern spiegeln dies wider.

Die Bausubstanz der Aussegnungshalle, ursprünglich erbaut im Jahr 1927, wurde inzwischen behutsam erneuert; 1989 wurde die neue Synthese aus Tradition und Moderne eingeweiht.

2. Walterspiel, Alfred (1881-1960)

Koch, Gastronom, Hotelier
(Mittelgang Ost)

Nach seiner Ausbildung zum Konditor war W. ab 1898 unter internationalen Spitzenköchen in ganz Europa tätig. Nachdem er die Leitung eines Berliner Feinschmeckerlokals übernommen hatte, entwickelte er die französische Küche in Richtung leichter Kost weiter. Sein Haus konkurrierte mit den Spitzenrestaurants in Paris.

Ab 1925 leitete W. 35 Jahre lang zusammen mit seinem Bruder Otto W. das Münchner Hotel »Vier Jahreszeiten«; erst 1990 wechselte dessen Restaurant »Walterspiel« den Namen. Bekannt wurde er mit seinen Kreationen »Seezungenfilet Walterspiel« und »Schinken Eugen Lacroix« (Gänseleberparfait zwischen dünnen Schinkenscheiben unter Weingelee).

3. Haupt, Ullrich (1915-1991)

Schauspieler, Regisseur
(Grabfeld 1)

In Illinois aufgewachsen, studierte H. als Schüler von Gustaf Gründgens an der Berliner Staatlichen Schauspielschule. 1936 debütierte er als Shakespeares »Romeo« in Danzig und war 1937-40 und 1974-81 Mitglied des Bayerischen Staatsschauspiels in München.

1951 kehrte er aus den USA nach Deutschland zurück, gehörte dem Gründgens-Ensemble am Düsseldorfer Schauspielhaus an und spielte später an den Münchner Kammerspielen und am Thalia-Theater in Hamburg. Seit den 1950er Jahren führte er auch Regie (u.a. »Warten auf Godot«) und erhielt Engagements bei Film- und Fernsehproduktionen.

4. Dagover-Witt, Lil (1887-1980)

Schauspieler
(Grabfeld 7)

In Internaten in England, Frankreich und der Schweiz erzogen, spielte sie in den 1920er Jahren – ohne je Schauspielunterricht genommen zu haben – mit vielen Größen des Stummfilms, u.a. in »Das Kabinett des Dr. Caligari« (1919) und unter Fritz Lang in »Der müde Tod« (1921).

Für die UFA war sie der Star in Friedrich Wilhelm Murnaus »Tartuffe«-Verfilmung von 1926. Zum Theater war D. erst spät gekommen, als Max Reinhardt sie 1931 für die Rolle der »Schönheit« in Hofmannsthals »Großem Welttheater« bei den Salzburger Festspielen verpflichteten konnte.

In den 1960er und 1970er Jahren arbeitete sie noch gelegentlich für das Kino, u.a. für Syberbergs »Karl May« (1974).

5. Sieber, Josef (1900-1992)

Schauspieler
(Grabfeld 8a)

Nach einer Schlosserlehre fuhr S. 7 Jahre als Matrose der Handelsmarine zur See, 1923 wandte er sich erstmals der Bühne zu und debütierte als Bassbariton in Hagen.

1924 wechselte er an das Städtische Schauspielhaus Hagen, bevor er Theaterengagements in Würzburg (1926), am Stadttheater Aachen (1927) und am Hessischen Landestheater in Darmstadt erhielt. 1933-45 war S. Ensemblemitglied der Berliner Volksbühne und 1949-54 an den Hamburger Kammerspielen.

S. war zudem Sprecher beim Nordwestdeutschen Rundfunk und wirkte in Heimatfilmen wie
»Die Mädels vom Immenhof« (1955) mit. Ab 1954 lebte S. in München.

6. Keilberth, Joseph (1908-1986)

Dirigent
(Grabfeld 14)

Der Sohn eines Kammermusikers begann seine Laufbahn 1925 als Korrepetitor am Staatstheater Karlsruhe, studierte Komposition am Konservatorium Karlsruhe und stieg 1935 zum damals jüngsten Generalmusikdirektor auf.

Das Philharmonische Orchester in Prag, die Dresdner Staatsoper, die Hamburger Philharmonie und auch die Bamberger Philharmoniker beriefen ihn als Chefdirigenten. 1952 sicherte sich Wieland Wagner seine Mitwirkung als Bayreuther Festspieldirigent. 1959 übernahm er die Generalmusikdirektion der Bayerischen Staatsoper in München. Seine besondere Liebe galt Mozart, Beethoven, Schumann, Wagner, aber auch Reger und Richard Strauss.

7. Ullrich, Luise (1905-1980)

Schauspielerin, Schriftstellerin
(Grabfeld 17)

Nach einer frühzeitig aufgegebenen Ausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, debütierte U. 15-jährig am Volkstheater in Wien. In Berlin und München brillierte sie u.a. als »Polly« in der »Dreigroschenoper«.

1932 startete sie mit UFA-Kurzfilmen ihre Filmkarriere. Im selben Jahr von Luis Trenker entdeckt, wurde sie 1933 unter der Regie von Max Ophüls in »Liebelei« berühmt. 1941 erhielt sie bei der Biennale in Venedig die Auszeichnung »Beste Schauspielerin«. Eine ihrer letzten Rollen spielte sie in Rainer Werner Fassbinders Fernsehserie »Acht Stunden sind kein Tag« (1972).

8. Hundhammer, Alois Dr. Dr. (1900-1974)

Politiker
(Mittelgang Süd)

In München wurde H. 1923 zum Dr. phil. (»Geschichte des Bayerischen Bauernbundes«) und 1926 zum Dr. oec. publ. (»Die landwirtschaftliche Berufsvertretung in Bayern«) promoviert.

1919 war er Freikorpskämpfer gegen die Spartakisten. Als Mitglied der Bayerischen Volkspartei bzw. CSU gehörte H. 1932/33 und 1946-70 dem Bayerischen Landtag an. Nach vorübergehendem Aufenthalt im Konzentrationslager Dachau übernahm er eine Schuhmacherwerkstatt.

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in Frankreich, beteiligte sich H. 1945 an der Gründung der CSU in Bayern. 1951-54 war er Präsident des Bayerischen Landtags und 1964-69 Stellvertretender Ministerpräsident.1953-57 gehörte H. dem Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes an.

9. Klarwein, Franz (1914-1991)

Opernsänger (lyrischer Tenor)
(Urnenhalle Süd)

K.s Talent wurde von Richard Strauss entdeckt, mit dem er zeitlebens befreundet war. Auf sein Anraten studierte K. Gesang in Frankfurt und Berlin. Mit 23 Jahren debütierte er an der Berliner Volksoper. 1942 wurde er festes Ensemblemitglied an der Bayerischen Staatsoper. Hier sang er in der Uraufführung der Oper »Capriccio« von Richard Strauss die Rolle des italienischen Sängers, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.

An der Bayerischen Staatsoper brillierte er in zahlreichen Uraufführungen, u.a. in Paul Hindemiths »Die Harmonie der Welt« (1957) und in Opern von Richard Strauss und Richard Wagner. Er hatte auf zahlreichen europäischen Opernbühnen gastiert als er 1977 seinen Abschied von der Bühne nahm.

10. Großkurth, Kurt (1909-1975)

Schauspieler, Sänger
(Urnenhalle Süd)

Nach Abschluss einer Hotelfachausbildung studierte G. Schauspiel und Gesang und wurde 1945 von Gustaf Gründgens an der Städtischen Bühne Düsseldorf engagiert. Bekannt wurde er in den 1950er Jahren durch Film- und Operettenrollen.

Obwohl er zumeist in Nebenrollen vor die Kamera trat, arbeitete er Seite an Seite mit den Stars der jeweiligen Zeit. Anfang der 1970er Jahre spielte er auch in internationalen Großproduktionen wie »Ludwig II« von Luchino Visconti und in »Charlie und die Schokoladenfabrik«.

11. Höhn, Carola (1910-2005)

mehr als 60 Jahre lang Bühnen- und Film-Schauspielerin
(Urnenhalle Süd)

In Berlin nahm sie in den 1920er Jahren Schauspielunterricht und debütierte 1933 auf der Bühne, 1934 gelang H. der Durchbruch bei der UFA mit dem Film »Ferien vom Ich«. Später lieh sie als Synchronsprecherin u.a. Katharine Hepburn und Ava Gardner ihre Stimme.

Bis in die 1970er Jahre hinein war sie häufig im Kino zu sehen, u.a. 1969 in »Pepe, der Paukerschreck« und »Hurra, die Schule brennt«, aber auch in Fernsehrollen, wie der Vorabendserie »Praxis Bülowbogen«. Neben Ihrer Tätigkeit als Schauspielerin führte H. erfolgreich ein Modegeschäft.

12. Köhnlechner, Manfred (1925-2002)

Jurist, Heilpraktiker
(Urnenhalle Süd)

K. wurde 1949 im Fach Jura (Insolvenzrecht) in Würzburg promoviert, 1957-70 war er Generalbevollmächtigter des Bertelsmann Konzerns, u.a. brachte er die Beteiligung des Hauses am Verlag »Gruner und Jahr« mit auf den Weg.

Eine erfolgreiche Behandlung durch einen Heilpraktiker im Jahr 1970 wurde prägend für seinen weiteren Werdegang: K. kündigte bei Bertelsmann und legte 1972 die Prüfung zum Heilpraktiker ab. Seine Naturheilpraxis in Grünwald (Geiselgasteig) wurde mit einem Fernsehauftritt, in dem er Trude Herr live behandelte auch unter Prominenten beliebt. K. wurde mehrfach mit Fachpreisen ausgezeichnet und ebnete der bis dahin kaum bekannten Alternativmedizin in Deutschland den Weg.

13. Pflug, Eva (1929-2008)

Schauspielerin, Synchronsprecherin
(Urnenhalle Süd)

1947 debütierte P. als Theaterschauspielerin in ihrer Heimatstadt Leipzig, 1958 stand sie mit Curd Jürgens in »Der Schinderhannes« vor der Kamera. Bekannt wurde sie als Nachtclub-Sängerin im Edgar-Wallace-Film »Der Frosch mit der Maske« (1959) und durch diverse Durbridge-Strassenfeger. Ihre bekannteste Fernsehrolle verkörperte sie 1966 als emanzipierte Tamara Jagellovsk in der ersten deutschen Science-Fiction-Serie »Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion«.

P. trat in unzähligen Fernseh- und Bühnenproduktionen auf, allein 1980-85 stand sie mit Paul Hubschmid fast 700 mal auf der Bühne. Für das deutsche Publikum synchronisierte sie u.a. Julie Christie in »Dr. Schiwago« und Eva Marie Saint in »Der unsichtbare Dritte« (Alfred Hitchcock).

14. Feiler-Rühmann, Herta (1916-1970)

Schauspielerin
(Grabfeld 12)

F. besuchte in Wien die Schauspielschule, debütierte 20-jährig an der Wiener Scala und erhielt alsbald erste Filmrollen. 1938 siedelte sie nach Berlin über und spielte in zahlreichen Lustspielen und Komödien der nationalsozialistischen Filmindustrie.

Ihre erfolgreiche Karriere als Komödiantin der leisen Töne konnte sie nach 1945 auf Theater-Gastspielreisen und in Filmrollen der 1950er und 1960er Jahre bruchlos fortsetzen. Mit ihrem Ehemann Heinz Rühmann (seit 1939) stand F. in zahlreichen Filmen vor der Kamera, u.a. in »Lauter Lügen« (1939) und in »Charleys Tante« (1956).

15. Jahn, Friedrich (1923-1998)

Unternehmer
(Grabfeld 20)

Nach einer Ausbildung im Hotelfach, arbeitete J. zunächst als Koch bis er 1955 in München sein erstes Lokal eröffnete.

Aufgrund günstiger Hühnerfleisch-Preise für Importhühner aus den USA war er bereits im ersten Geschäftsjahr erfolgreich. 1978 baute J. das Unternehmen zur Wienerwald-Kette mit 551 Restaurants aus, einschließlich Hotels und zahlreichen Beteiligungen.

1982 ging die Wienerwald AG in Konkurs. Vier Jahre später erwarb J. die deutsche Wienerwald-Gruppe von der Besitzerin des Gesamtkonzerns zurück. Er veröffentlichte u.a. »Ein Leben für den Wienerwald. Vom Kellner zum Millionär und zurück« (1993).

Der ursprüngliche Waldcharakter prägt den Waldfriedhof Grünwald nachhaltig.

Die Gräber sind nicht, wie auf größeren Friedhöfen üblich, streng durchnummeriert, sondern weisen lediglich die ungefähre Lage als ›Grabfeld-Nr.‹ aus, so dass die Grabstätten unter Berücksichtigung dieses Anhaltspunktes in einem individuellen Spaziergang entdeckt werden können.