Der Friedhof Montparnasse in Paris

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Der Friedhof Père Lachaise in Paris

Der Friedhof Père Lachaise in Paris

Besucheradresse: 3, Boulevard Edgar Quinet, 75014 Paris

Métro: Edgar Quinet (Linie 6); Raspail (Linien 4 & 6)

Der Prominentenfriedhof südlich der Seine

Der »Cimetière du Montparnasse« wurde 1824 eröffnet und ist mit einer Fläche von 19 Hektar der zweitgrößte Friedhof von Paris, nach dem Friedhof Père Lachaise.

Viele Grabstätten auf dem Friedhof Montparnasse bezeugen, wie intensiv begeisterte Anhänger in Paris Künstlern nachtrauern, ohne dass sie wie

Jim Morrison zur absoluten Kultlegende geworden sind: Die Grabstätten von Charles Baudelaire (franz. Dichter) und dem großen Liebespaar der französischen Literatur und Philosophie, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, sind mit Kussspuren übersät…

Serge Gainsbourg (1928-1991): Franz. Musiker und Schauspieler

Blumen, Métro-Karten, Figuren: die Pariser Bevölkerung verehrt ihre Künstler in der europäischen »Übermetropole« für Kunst

Simone de Beauvoir (1908-1986): Franz. Schriftstellerin, Philosophin und Feministin

Zu den bekannten Werken ihres umfangreichen Oeuvres zählen u.a.: »Sie kam und blieb«, »Das Blut der anderen«, »Alle Menschen sind sterblich«, »Das andere Geschlecht«; Memoiren: »Memoiren einer Tochter aus gutem Hause«, »In den besten Jahren«, »Der Lauf der Dinge«, »Alles in allem«

Auf eine wohl-behütete Kindheit, die in die Nachkriegsjahre des Ersten Weltkriegs fiel, folgten Studienjahre in den Fächern Literatur, Mathematik und Philosophie, die die Musterschülerin als Zweitbeste (hinter dem Wiederholungskandidaten Sartre) abschloss. B. begann ihre Laufbahn als Gymnasiallehrerin bevor sie sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmete.

Auf die ersten Veröffentlichungen (ab 1943) folgten zahlreiche Reisen ins außereuropäische Ausland: USA, Afrika, Südamerika, Russland, China, Kuba, Ägypten, Israel,..

Mit Sartre, neben dem sie beigesetzt wurde, verband sie seit Studienzeiten eine feste Bindung. Gemeinsam nahmen sie regen Anteil am gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit. Ab 1970 engagierte sich die als unkorrumpierbar geltende Nonkonformistin intensiv in der französischen Frauenbewegung.

Jean-Paul Sartre (1905-1980): franz. Philosoph und Schriftsteller; Nobelpreis für Literatur (1964: abgelehnt), Ehrendoktor der Universität Jerusalem (1976)

Sein Oeuvre umfasst philosophische Veröffentlichungen, Romane, Novellen und Dramen. Zu seinen bekannten Werken zählen u. a. »Das Sein und das Nichts«, »Der Ekel«, »Die Fliegen«, »Die ehrbare Dirne«, »Die Eingeschlossenen von Altona«, »Die Wörter«

1929 lernte er seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir kennen, mit der er eine unkonventionelle Bindung einging, die für viele zu einem emanzipatorischen Vorbild wurde.

Auch S. begann seine Laufbahn als Gymnasiallehrer. 1941 konnte er aus deutscher Kriegsgefangenschaft mit gefälschten Papieren entkommen. Die Kriegsjahre wurden für S. zu einer sehr produktiven Schaffenszeit: noch unter deutscher Besatzung wurde sein erstes Theaterstück, »Die Fliegen« (1943) uraufgeführt; im selben Jahr erschien auch sein philosophisches Hauptwerk, »Das Sein und das Nichts«.

In den Nachkriegsjahren führte S.s Philosophie unter dem Schlagwort »Existentialismus« eine weltweite Auflehnung gegen bürgerliche Lebensformen an. Er engagierte sich gesellschaftlich in zahlreichen Initiativen (1956: Protest gegen die sowjetische Intervention im Ungarnaufstand; Vorsitzender des internationalen Tribunals gegen die Kriegsverbrechen der USA im Vietnamkrieg, 1958-1962: Protest gegen den Algerienkrieg; Protest gegen die gewaltsame Beendigung der Reformbewegung um den »Prager Frühling«; Solidarisierung mit der Studentenbewegung,…)

1973 gründete S. die bis heute drittstärkste überregionale Zeitung »La Libération«.

Viele internationale Politiker seiner Zeit lernte er persönlich kennen: Roosevelt, Chruschtschow, Mao Tse-tung, Castro, Che Guevara, Tito, Kubitschek, Nasser, Eschkol,…

Charles Baudelaire (1821-1867): Franz. Dichter,
Essayist & Kunstkritiker

Zu seinen bekannten Lyrik- und Prosa- Werken zählen u.a. »Die Blumen des Bösen«, »Kleine Prosagedichte«, »Die künstlichen Paradiese«.

Auch B.s Erinnerungszeichen weist Kussspuren auf und ist ein weiteres gutes Beispiel für einen in Paris durchaus üblichen besonderen Totenkult, in dessen Genuss v.a. heiß geliebte Künstler kommen.

Das Grabzeichen eines Nobelpreisträgers: Ein sehr repräsentatives

Beispiel für einen bereits zu Lebzeiten prominenten Menschen, der in einer bescheidenen Grabstätte zur Ruhe gebettet wurde…

Samuel Beckett (1906-1989): Irischer Schriftsteller und Dramatiker; 1969: Nobelpreis für Literatur

B. schrieb Kurzgeschichten, Gedichte, Romane, Dramen, Hörspiele, zumeist

in franz. Sprache. Zu seinen bekannten Werken zählen u. a.: »Malone stirbt«, »Murphy«, »Warten auf Godot«, »Endspiel«.

Der Originaltitel seines 1953 entstandenen Theaterstücks »Warten auf Godot« wurde in vielfachen Abwandlungen zum geflügelten Wort für langes Warten mit ungewissem Ausgang oder vergebliches Abwarten von etwas oder von jemandem:

Im Theaterstück führen die zwei Hauptpersonen einen absurden Dialog, in dem sie sich fortwährend auf eine dritte, abwesende Person, »Godot« beziehen. Seinem Eintreffen scheinen sie sehnsüchtig entgegen zu fiebern. Das Stück endet allerdings, ohne dass je jemand Godot zu Gesicht bekommen hätte…

André Gustave Citroën (1878-1935): Franz. Automobilkonstrukteur & Unternehmer

1905 gründete C. die Citroën-Werke in Paris, wo 1919 der erste Citroën PKW Typ A 10hp produziert wurde.

Pierre A. Larousse (1817-1875): Franz. Verleger und Lexikograph; Verfasser von Schulbüchern

1852 legt L. in Paris den Grundstein für das heute unter der Bezeichnung »Éditions Larousse« firmierende Verlagshaus.

Als Verleger gelang ihm der Durchbruch mit einem Konversationslexikon und andere Nachschlagewerken, u. a. »Grand dictionnaire universal du XIXe siècle« (»Großes Universallexikon des 19. Jahrhunderts«).

Honoré Champion (1846-1913): Franz. Verleger

1874 gründete C. das traditionsreiche Verlagshaus »Éditions Honoré Champion« mit Sitz in Paris und mit einer Verlagsbuchhandlung am Seineufer. Als Verleger spezialisierte er sich auf wissenschaftliche Publikationen, mit Themenschwerpunkten auf der Literaturgeschichte und Geschichte (1973 wurde der Verlag an ein Schweizer Verlagshaus verkauft).

Marguerite Duras (1914-1996): Franz. Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Filmregisseurin

Schlussimpression: Interaktion mit Verstorbenen, insbesondere auch mit heiß geliebten Schriftstellern ist auf Pariser Friedhöfen kein ungewöhnliches Bild…