Der Friedhof Père Lachaise in Paris

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Der wohl meistbesuchte Friedhof der Welt: Der Friedhof Père Lachaise in Paris

Der Haupteingang liegt am Boulevard de Ménilmontant;

Métro: Philippe-Auguste (Linie 2), wo auch ein laminierter Lageplan für die Dauer des Friedhofsbesuchs ausgeliehen werden kann.

Weitere nahe gelegene Métro-Stationen: Père Lachaise (Linien 2 & 3); Gambetta (Nordeingang, Linie 3)

Der Friedhof Père Lachaise ist der größte Friedhof innerhalb der Stadtmauern von Paris, und mit rund 3,5 Mio. Besuchern jährlich wahrscheinlich der meistbesuchte Friedhof der Welt.

Er beherbergt rund 70.000 Grabstätten (zum Vergleich: auf dem Zentralfriedhof in Wien wurden inzwischen mehr als 3 Mio. Menschen beigesetzt), ca. 1.400 Berühmtheiten, ein paar tausend Bäume und das einzige Krematorium in Paris.

Das hügelige Terrain gehörte ursprünglich einem Jesuitenorden.

Im 18. Jahrhundert bezog Pater François d’Aix de La Chaise, der Beichtvater des Königs, dort ein Haus.

1803 erwirbt die Stadt das Gelände und baut es zur »Totenstadt im Osten« um. Der offizielle Name wurde nie populär, den Parisern blieb stets der Spitzname des Jesuitenpaters im Gedächtnis – Père Lachaise…

Mit der Eröffnung im Jahr 1803 läuft die Geschichte des Friedhofs verhaltend an: 13 Grabstellen werden im ersten Jahr besetzt, und auch 10 Jahre später sind es gerade mal 2.000… Die 700.000 Einwohner zeigen wenig Interesse, weit außerhalb in einem armen Arbeiterviertel bestattet zu werden…

Um den Friedhof attraktiver zu gestalten, läßt der Präfekt des Bezirks zwei für das französische Selbstverständnis wichtige Berühmtheiten umbetten: die sterblichen Überreste von

* Molière (1622-1673): Franz. Komödiendichter, zu seinen bekanntesten Werken zählen »Der Geizige«, »Der Menschenfeind«

und

* Jean de La Fontaine (1621-1695): Franz. Dichter, befreundet mit den wichtigsten Dichtern seiner Zeit: Racine, Molière, Boileau, zu seinen bekanntesten Werken zählen seine Fabeln, er gilt als Erneuerer dieser Gattung werden auf den Friedhof Père Lachaise überführt. Erstmals in seiner Geschichte erhält der Friedhof bemerkenswerten Zulauf und wächst auf weit mehr als die doppelte Fläche an.

Grabstätte von La Fontaine

Grabmahl von Molière

Der Friedhof nimmt im Laufe seiner Geschichte noch verschiedene andere Funktionen an. Als es noch keine Versammlungsfreiheit gab, nutzte man oft Friedhöfe als politische Treffpunkte: Begräbnissen wurden genutzt, um sich mit Gleichgesinnten zu versammeln.

Heute besucht man den größten Park der Hauptstadt auch, um einfach spazieren zu gehen oder zu lesen.

In den 1990er Jahren erhält der Friedhof das Prädikat »Historisches Baudenkmal«, das der Vielfalt des historisch gewachsenen und erhaltenswerten Gesamtkonzepts des Friedhofs mit Privatkapellen, Säulengängen, Obelisken etc. Rechnung trägt.

Georges-Eugène Haussmann (1809-1891):

Im Volksmund »Baron Haussmann«, Präfekt und Erneuerer der Stadt im großen Stil (Boulevards, Parkanlagen, öffentliche Einrichtungen): bis auf den heutigen Tag dominiert Haussmanns Stil den Gesamteindruck der inneren Stadtbezirke

Napoleon III. träumte von einer neuen kaiserlichen Stadt und beauftragte H.

mit der Modernisierung der schnell wachsenden Metropole: H. brachte den Parisern ein Kanalisationssystem, Trinkwasserversorgung, Straßenbeleuchtung (Gaslaternen), eine zentrale Markthalle, aber auch Parkanlagen, Schulen, Krankenhäuser, Asyle, Gefängnisse und Verwaltungsgebäude.

Die weitreichendsten Veränderungen aber entfalteten sich mit der Umgestaltung der Innenstadt nach H.s Plänen: er machte die alten, engen, gewundenen Strassen dem Erdboden gleich und ersetzte sich durch bereite gerade verlaufende Boulevards.

Die Einebnung des alten Gassensystems war durchaus politisch motiviert: waren es doch die geographischen Gegebenheiten der Stadt, die es den Revolutionären (1789, 1830, 1848 und ein letztes Mal 1871) erst ermöglichten, erfolgreich in Windeseile Straßensperren zu errichten und so die Stadt in ihrem Sinne zu kontrollieren. Eine andere Folge war, dass die breiten Boulevards Geschäfte anzogen und die Stadt über die Jahre eine kommerziellere Ausrichtung bekam. Diese Maßnahmen brachten H. den Spitznamen

»der Zerstörer« ein.

Frédéric Chopin (1810-1849 Paris): Polnischer Komponist und Pianist für Klavier- und Orchesterwerke, Lieder

Camille Pissarro (1830-1903): Dänisch-franz. Maler; er zählt zu den bedeutendsten Malern des Impressionismus

Oscar Wilde (1854-1900):

Anglo-irischer Schriftsteller, Dramatiker, Erzähler und Lyriker; zu seinen bekanntesten Werken zählen: »Das Bildnis des Dorian Gray«, »Der glückliche Prinz und andere Märchen«, »Ernst sein ist alles/ Bunbury oder die Bedeutung, Ernst zu sein«

Auch W.s Grab zählt zu den heiß geliebten Pilgerorten auf dem Père Lachaise: die Glasscheibe wurde im Nachhinein angebracht, weil das Grabmal mit Kussspuren übersät war. Es hatte Monate gedauert, sie zu entfernen. Aber sehen Sie selbst…

Abelard und Heloise: Ihre Liebesgeschichte und die Tragödie ihrer Trennung machen sie zu einem der berühmtesten Paare aller Zeiten…

Peter Abelard (1079-1142): Franz. Philosoph, gilt als einer der größten Denker des 12. Jahrhunderts

Seine Lehren waren nicht unumstritten, mehrmals wurde er der Ketzerei bezichtigt. Zu seinem heute noch bekannten Werk zählt seine Abhandlung

»Sic et Non« (pro und contra): 158 philosophische und theologische Fragen.

Heloise (1101-1164):

Ihr Onkel Canon Fulbert ermöglichte ihr nach bestem Wissen und Gewissen die bestmögliche Ausbildung, die er ausfindig machen konnte.

Sie war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit: sie galt sowohl als geistlich, außerordentlich belesen als auch von großer Schönheit.

Abelard überzeugte ihren Onkel, sie bei ihm ausbilden zu lassen; so wurde H. mit 17 Jahren Abelards Studentin. Die Schüler-Lehrer Beziehung wurde schnell zu einem Liebesverhältnis, was auch dem Onkel nicht verborgen blieb. Er trennte die beiden, stimmte aber später einer heimlichen Heirat zu.

Viele Einzelheiten der beiden Leben gelten als nicht gesichert oder als Spekulation. Was aber im Weiteren mit Sicherheit gesagt werden kann: der Onkel sann zu einem Zeitpunkt auf Rache und ließ ein Kommando in Abelards Haus einbrechen, das ihn gewaltsam entmannte.

Nach seiner Kastration trat A. in einen Mönchsorden ein. Durch die Trennung konnte ihr eindrucksvoller Briefwechsel beginnen. Ihre Beziehung und Liebe lebte in der Korrespondenz fort. H.s Briefe gelten für viele Forscher zudem als eine der ältesten feministischen Schriftstücke.

Georges Bizet (1838-1875): Franz. Komponist für Opern, Suiten und Orchesterwerke

Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen u.a. »Die Perlenfischer«, »Die Schale des Königs von Thule«, die Oper »Carmen«, die Suite »L’Arlésienne«

Edith Piaf (1915-1963), eigentlich Edith Giovanna Gassion:

Eine der bedeutendsten Chansonsängerinnen Frankreichs, zu ihren bekanntesten Erfolgstiteln zählen »La vie en rose«, »Non, je ne regrette rien«

P. kommt als Tochter eines Akrobaten und einer italienisch-algerischen Sängerin zur Welt.

P. schloß die Volksschule ab und begann ihren Lebensunterhalt als Strassensängerin zu verdienen. 1935 verließ sie den trinkenden Vater und siedelte nach Paris über. P. sang weiterhin in großer Armut auf den Straßen, in den Kneipen, Kasernen und Hinterhöfen, wo sie eines Tages einem Nachtclub-Betreiber auffiel. Er war fasziniert von ihrer voluminösen Stimme.

Er engagierte »das hungrige und struppige Wesen mit den zerlumpten Kleidern« für sein exklusives Kabarett, nahe der Champs-Elysées. Das verwöhnte Hauptstadtpublikum feierte ihre Lieder mit frenetischen Beifall.

Die Pariser Presse umjubelte das kaum 1,50 Meter große, zerbrechliche Persönchen als den »Spatz von Paris«. Der Star Edith Piaf war geboren, Rundfunkauftritte und erste Schallplatten folgten.

Unter großer öffentlicher Anteilnahme wurde sie auf dem Friedhof Père Lachaise zur letzten Ruhe gebettet.

Victor Noir (1848-1870), eigentlich Yvan Salmon:

Franz. Journalist, wurde von einem Großneffen des Kaisers Napoleon I. (1769-1821) erschossen; aufgrund der Umstände seines Todes, wurde N. posthum zu einer sehr bekannten Person des öffentlichen Lebens:

N. und der Großneffe von Kaiser Napoleon I. stehen sich eines Tages als Unterhändler gegenüber: N. auf der Seite der Zeitung, für die er arbeitete und der Großneffe für den regierenden Kaiser Napoleon III.

Der Zeitungsherausgeber, für den N. arbeitete hatte gerade einen Artikel veröffentlicht, der den vor Jahrzehnten verstorbenen Kaiser Napoleon I. verunglimpfte und wurde hierfür – entsprechend der Sitte, wie man damals Angelegenheiten »klärte« – vom regierenden Kaiser Napoleon III. zum Duell aufgefordert.

Bei der Aushandlung der Bedingungen für das Duell kam es zum Streit zwischen den beiden unterhandelten Parteien, worauf der Großneffe kurzerhand seinen Revolver zog und N. erschoss.

Sein Tod schnitt tiefe Wunden in die bereits unbeliebte Monarchie. Mehr als 100.000 erweisen N. die letzte Ehre.

Aber wer hätte damals geahnt, dass Dalous Skulptur zu einer der meist besuchten Erinnerungsstätten auf dem Père Lachaise wird?

Jules Dalou fertigte 1891 die Skulptur: N. mit Hut zur Erde gesteckt, spiegelt sie etwas von dem Unerwarteten an N.s Tod wider.

Aber für einen mehr als 100 Jahre alten Bronzeguss scheinen N.s Lippen, Nase und die Leichenstarre an einer besonderen Stelle überraschend zu glänzen.

Der Legende nach bringt es Glück und Fruchtbarkeit, diese Stellen auf eine besondere Art zu berühren: für Frauen erfüllen sich alsbald ein Baby- oder Ehewunsch. Dem Glanz der Stellen nach zu urteilen, sind es viele Frauen, die ihrem Glück auf die Sprünge helfen… Das Ritual wird komplettiert, indem man zum Zeichen der Dankbarkeit für N.s Hilfe, eine Blume in seinem Hut niederlegt. N.s Erinnerungszeichen wurde zu einem von Frankreichs ungewöhnlichsten Fruchtbarkeitssymbolen.

Marcel Proust (1871-1922): Franz. Schriftsteller

Zu seinem Hauptwerk zählt der siebenbändige Romanzyklus »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, bekannte Bände sind u.a.: »Im Schatten junger Mädchenblüte«, »Sodom und Gomorrha« den er in den Jahren 1913-1927 veröffentlicht

Ettore Bugatti (1881-1947):

Franz. Automobilkonstrukteur, baute die ersten Kompressor-Rennwagen; selbst erfolgreich im Motorrennsport; gründete ein Automobilwerk im Elsass

Als Autoschlosser erlernte B. sein Handwerk in Paris. Schon als

17-Jähriger (um 1900) experimentierte er mit einfachen Mitteln an seinem ersten 4-Zylinderwagen, mit dem er bereits erste Rennen gewann.

In der Zeit zwischen den Weltkriegen fuhren die Bugatti-Wagen bei internationalen Rennen stets ganz Vorne mit.

Seinen Welterfolg verdankte er neben der Typengestaltung, seinen leistungsfähigen Motoren. Sein Werk entwickelte den damals neuartigen

16-Zylinder-Flugzeugmotor (für die französische Luftwaffe im Ersten Weltkrieg) sowie den ersten Triebwagen der französischen Eisenbahnen.

Samuel Hahnemann (1755-1843): Deutscher Arzt, Chemiker und Gerichtsmediziner

Begründer der Homöopathie: zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählt seine Publikation über die »Reine Arzneimittellehre«

Jim Morrison (1943-1971):

Amerikanischer Sänger/ Songwriter, Dichter, Filmemacher, Sänger und Mitbegründer der Rockband »The Doors«, eine der gefeiertsten Pop- Ikonen der 60er-Jahre

M.s Grabmahl zählt für viele zu der Kultstätte auf dem Père Lachaise schlechthin und ist ein Beispiel par excellence für eine Grabstätte, die in den Genuss eines ganz besonderen Totenkults kommt:

Trotz weiträumiger Absperrung hinterlassen Fans, Blumen, Portraits aber

auch Zigarettenstummel und leere Flaschen. Eine Zeit lang wurde eine Überwachungskamera in den Dienst genommen, um die Fans davon abzubringen, seine Büste zu stehlen, allerdings ohne Erfolg…

M. wuchs als ältestes Kind eins hochrangigen Marineoffiziers in Florida auf.

Die häufigen Versetzungen des Vaters bedeuten von Anbeginn permanente Unstetigkeit für die junge Familie. M. legte sich ein Schutzschild zurecht, um auf das stetig wechselnde Umfeld zu reagieren und entdeckte früh, was ihn für den Rest seines Lebens ausmachen wird: um sein Umfeld/seine Mitschüler zu beeindrucken, gewöhnte er sich an, sich als Extremist zu präsentieren: mit Kunststückchen, akrobatischen Einlagen, exaltiertem Auftreten und engagierten Plädoyers für bisweilen abwegige Themen…

M. begann Gedichte zu schreiben, studierte für kurze Zeit in Los Angeles Film (seine Abschlussarbeit fiel als »zu belangloser psychedelischer Reigen« durch) und begann mit einem obsessivem Lebensstil zu experimentieren: nach dem exzessivem Verschlingen von Literatur, wandte er sich Drogen zu.

Im Sommer 1965 war es dann so weit: die Geschichte von »The Doors« konnte beginnen. Der Name steht für die bewußtseinserweiternden Pforten, die die Botschaft der horizontverschiebenden Drogenerfahrungen in die Welt tragen sollen… Sein Part war es, prägnante Texte zu schreiben, die er als Sänger selbst vortrug.

Zu seinen Konzerten erschien er mitunter betrunken oder verspätet. Das Publikum kam inzwischen nicht mehr nur wegen der Musik, sondern auch wegen der Krawalle und der Konfrontation, die M. mit der Polizei anzettelte.

Ein Beispiel für einen solcher Höhepunkte? 1969 entblößte sich M. bei einem seiner Auftritte und wurde fortan vom FBI steckbrieflich gesucht wegen »öffentlicher Entblößung« und »lästerlicher Rede«.

Weit über seinen Tod hinaus wurde er von vielen als eine Art Heiliger verehrt, der die »Türen zur Freiheit, zum Unbekannten, zum Unbewußten, zum Unheimlichen« aufstoßen wollte.

Ohne Worte: Was schwer in Worte oder Form zu fassen ist, wurde auf dem Père Lachaise gestalterisch und eindrücklich sichtbar gemacht…

»Mauthausen«
»Hitler’sches Vernichtungslager«

»180.000 Männer und Frauen wurden hier eingekerkert«
»154.000 sind umgekommen«


»Erinnert euch!«

Die Mauer der Föderierten: »AUX MORTS DE LA COMMUNE 21-28 MAI 1871«

Zu einem politischen Symbol wird der Friedhof 1871 nach der Pariser Kommune:

Nach dem Krieg von 1871 zwischen Bismarck und Napoleon III. (der für Frankreich das Ende einer Ära markiert: Niedergang des französischen Kaiserreichs und Abdankung von Napoleon III.) weigern sich die Pariser zu kapitulieren und begehren auf, als die französische Regierung sie entwaffnen will.

Während der sogenannten blutigen Woche masakrieren die Pariser Regierungstruppen, die Aufständischen (= die Föderierten: Zusammenschluss von Arbeitervertretern, die für die Interessen des Volks eintraten, wie Umwandlung Frankreichs in einen Bund souveräner Gemeinden (Kommunen), Trennung von Staat und Kirche, Gleichberechtigung der Frauen).

Vor der Mauer der Föderierten wurden unter der konservativ bürgerlichen Führung von Präsident Adolphe Thiers 147 Kommunaden erschossen.

Insgesamt wurden in Paris ca. 20.000 Kommunaden standrechtlich erschossen. Weitere 10.000 Anhänger der Kommune wurden zu Gefängnis, Verbannung oder Deportation verurteilt. Den Massenmord, um mit allen Mitteln eine demokratische Regierung mit Vertretern der Arbeiterklasse zu verhindern, wirft man Adolphe Thiers noch 100 Jahre später vor. Am Gedenktag zur Kommune wurde auf sein Grab ein Sprengstoffanschlag verübt.

Auch heute besuchen noch viele die Mauer der Föderierten.

»AUX MORTS«: den (allen) Toten gewidmet