Die Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko: Eine ganz normale spätantike/ frühmittelalterliche Mega-City?

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Das 2007 in einer Abstimmung gekürte Weltwunder: Die Maya-Ruinenstadt Chichén Itzá, Yukatan, Mexiko

Besucheradresse: Uxmal Yucatan Ruinas, Yucatan, Mexiko

Die Pyramide des Zauberers/Wahrsagers dominiert den Eingangsbereich und überragt die gesamte Ruinenstadt

Uxmal (seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbestätte)

Was verbindet die drei unterschiedlichen UNESCO-Weltkulturerbe- bzw. »Weltwunder«- Ruinenstädte (Uxmal, Chichén Itzá und Palenque) mit Blütezeiten in verschiedenen Jahrhunderten?*

Maya-Ruinenstadt Palenque, Chiapas, Mexiko
Sind es die geographischen Örtlichkeiten, Symbole und (Toten-) Rituale, die in einer typischen Maya-Stadt die Lebenswelt bestimmt haben?

Neben Uxmal (UNESCO-Weltkulturerbe) sind sie in vergleichbarer Weise auch in Chichén Itzá (»Weltwunder«) und Palenque (UNESCO-Weltkulturerbe) zu finden…

*Uxmal, UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte seit 1996, Blütezeit um 9.-10. Jhdt.
*Chichén Itzá, »Weltwunder«-Stätte seit 2007, Blütezeit um 6.-11. Jhdt.
*Palenque, UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte seit 1987, Blütezeit um 6.-8. Jhdt.

Maya-Megastädte waren hochkomplexe soziale Gefüge

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Der Ballspielplatz; im Hintergrund: die Pyramide des Zauberers/Wahrsagers

Was sind die örtlichen Gegebenheiten, die eine urbane Maya-Siedlung charakteristischerweise ausmachten?

Maya-Städte beheimateten typischerweise neben dem zentralen Sitz der Macht (Herrscher- oder Gouverneurspalast), Ballspielplätze, sozialen Einrichtungen (Nonnenviereck: eine Art Wohnheim für bestimmte Berufsgruppen), aber auch »Infrastruktur« (wie Zisternen), religiöse Stätten (Kirche/Tempel), Opferstätten (Menschenopfer?), Grabmäler (in Palästen und im Dschungel: in kleineren, nach Norden ausgerichteten Bebauungen), Ossarien. Ferner finden sich an einigen der Orte Forschungsstationen (wie Observatorien), Produktionsstätten (v.a. in Form von Handwerksbetrieben, in den Werkzeuge hergestellt wurden), öffentliche Plätze, auf denen sich die Menschen zu Versammlungen trafen (»Märkte«, aber auch Kriegertempel), zählte Krieg doch häufig zum Alltag.

In weiterem Umkreis um diese zentralen oder zentrumsnahen Orte, befanden sich die Wohnbezirke der Adeligen. Man geht heute davon aus, dass der Adel zahlenmäßig bedeutend war, etwa 10%-15% der Gesamtbevölkerung gehörten dem Adelsstand an.

Das Zentrum der Macht: Der Gouverneurspalast
Das Zentrum der politischen Macht befindet sich in jeder Maya-Siedlung im Gouverneurs- oder Herrscherpalast. Der König und seine Familie thronten über allem.

In Uxmal erreichte die Macht des Herrschers im 9.-10. Jahrhundert n. Chr. ihren Höhepunkt (und endete im 12. Jahrhundert aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen). Man geht davon aus, dass der Gouverneur über rund 25.000 Einwohner Befehlsgewalt hatte, was nach heutigen Maßstäben einer Megastadt entspricht (also einer Stadt mit mindestens 8 Mio. Einwohnern, wie beispielsweise New York, London oder Mexiko-City).

Der Palast zeigt die typischen Stilmerkmale der sogenannten »Puuc« Bauweise (Puuc = hügeliges Land; Verbreitung um 6.-12. Jahrhundert): die Außenfassade ist horizontal zweigeteilt, in einen schlichten unteren Teil, der aus einer doppelt ineinander gesteckten Wandkonstruktion besteht, die lediglich durch einfache Türschächte unterbrochen wird, während die Friese mit aufwändigen kleinteiligen Reliefen verziert wurden.

Beispiele für einen Teil der oben genannten Orte – Fortsetzung folgt in den Kapiteln Chichén Itzá (»Weltwunder«-Stätte) und Palenque (UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte)

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Symbole

Das Jaguar-Symbol (einfach oder doppelt)
Das Raubtier auf geschmeidigen Pfoten wurde von den Maya als Tiergottheit verehrt.

Der Jaguar gilt als mächtiges spirituelles Symbol: er steht für das geheime Wissen, das nur einem höheren Bewusstseinszustand zugänglich ist.

Die doppelte Jaguarfigur befindet sich auf dem Jaguarthron, einem Terrassensitzplatz des Herrschers vor seinem Palast.

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Wasserknappheit, was tun?

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Chaac, der Regengott (Nonnenquadrat)

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Chaac im Profil, seine Nase erinnert an einen Elefantenrüssel (Gouverneurspalast)

Bildliche Darstellungen der Regengottheit Chaac: die spirituelle Antwort auf Wasserknappheit
Die Friese sind in der »Puuc«-Bauweise reich verziert mit Reliefen, hier in Uxmal auffällig häufig mit dem Kopf des Regengotts Chaac.

Während die Megacitys der Gegenwart ausnahmslos an natürlichen Wasserressourcen angesiedelt sind, ist es bis heute ungeklärt, warum eine Großstadt wie Uxmal in einer Umgebung befestigt wurde, in der Niederschlag und Wasserversorgung die Einwohner permanent beschäftigen werden.

Die Zisterne: die in­ge­ni­eur­wis­sen­schaft­liche Antwort auf Wasserknappheit
Neben der Verehrung der Regengottheit Chaac, wurde das kostbare Wasser aus Cenoten* und unterirdischen Auffangbecken für Regenwasser gewonnen.

*Cenoten entstehen, wenn Kalkstein sich auflöst und Hohlräume schafft; es handelt sich um unterirdische Höhlen oder Erdlöcher, in denen Wasser steht.

In Cenoten brachten die Maya den Göttern der Unterwelt Opfer dar (heute gelten sie als typisch mexikanisch und sind berühmt für ihren Freizeitwert und für Aktivitäten wie Schwimmen oder Tauchen).

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Grausame Rituale? Opfergaben für die Götter?

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Der Ballspielplatz
In Uxmal liegt der obligatorische Ballspielplatz südlich des Gouverneurspalastes (im Hintergrund: das Nonnenviereck) und wird von zwei massiven Mauerblöcken sowie etwas niedrigeren Seitenbänken flankiert (die Spielfläche beträgt ca. 34 Meter x 10 Meter: die Besucher im Bild befinden sich auf dem Spielfeld).

Ein massiver Kautschukball musste jeweils von einer Mannschaft in einen in die Seitenwände eingelassenen Steinring gespielt werden. Dabei durften ausschließlich Hüfte, Ellenbogen und Knie zum Einsatz kommen. Wie auf diese Weise in einen weit über der eigenen Körpergröße angebrachten Steinring gezielt werden konnte, ist für die meisten von uns heute wohl ziemlich schwierig nachzuvollziehen.

In der Quellenlage ist nicht eindeutig gesichert, ob sich die gesellschaftliche Bedeutung des Ballspiels über die Zeit änderte und in Menschenopfern endete. Bildreliefe in Chichén Itzá lassen dies vermuten, während solche Reliefe in Uxmal fehlen. Die Deutungsversuche des Ballspiels reichen von rituellem Kriegsspiel für Maya-Krieger im Teenageralter (mit Menschenopfer) bis hin zu, dass mit dem Spiel der Ausgang eines Krieges entschieden wurde.

Soziale Einrichtungen

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Einer der vier Paläste des Nonnenvierecks

Das Nonnenviereck

besteht auf allen vier Seiten aus Palästen und ist ebenfalls ein fester Bestandteil einer jeden Maya-Stadt. Nach der heutigen Forschungslage geht man davon aus, dass der Name nichts über die ursprüngliche Funktion der Gebäude aussagt, sondern vielmehr von den spanischen Eroberern stammt, die in der Anlage vermutlich bauliche Parallelen zu mittelalterlichen Klosteranlagen sahen.

Heute nimmt man an, dass es sich um eine Unterkunft für Studenten, Priester oder Soldaten gehandelt haben könnte.

Auch hier steht man den charakteristischen Architekturmerkmalen des »Puuc«-Stils gegenüber: eine schlichte Außenfassade schließt mit einem kunstvoll verzierten Fries ab: wie auch beim Gouverneurspalast, Regengott Chaac wacht über den Palästen des Nonnenvierecks.

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Einer anderer der vier Paläste des Nonnenvierecks (Regengott Chaac wacht über dem linken Eingang)

Allgegenwärtige Ruinensteine

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Ruinensteine… noch ohne Zuordnung und Verortung…

Ruinensteine sind auf allen archäologischen Maya-Ausgrabungsstätten allgegenwärtig. Es nimmt rund 10 Jahre Forschungsarbeit und praktische Umsetzung vor Ort in Anspruch bis eine neue Ruinenanlage freigelegt und restauriert ist.

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Ruinensteine in einem etwas weiter entwickelten Stadium auf einer der verwinkelten Terrassen der Pyramide des Zauberers/Wahrsagers

Eine städtebauliche (und kulturelle) Besonderheit in Uxmal

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko

Die Pyramide des Zauberers/Wahrsagers/Zwerges (je nach Quellenlage)

ist das spirituelle (und visuelle) Zentrum der spätantiken/frühmittelalterlichen Mega-City. Das eindrucksvollste Gebäude der archäologischen Anlage ist eine Besonderheit, die Uxmal von anderen Ruinen-Städten abhebt.

Um ihre Entstehungsgeschichte ranken sich verschiedene Legenden: die Pyramide soll von einem Zwerg, dem Sohn der Zauberin, an nur einem Tag erschaffen worden sein. Ihm sollen vom Herrscher Prüfungen auferlegt worden sein, die ihn – nachdem er alle erfolgreich bestanden hatte – selbst zum Herrscher von Uxmal machten. Seiner Mutter, auf dessen Hilfe er angewiesen war, erbaute er anschließend die höchste Pyramide.

In einem anderen Ursprungsmythos hat sich der Erbauer der Pyramide durch eine List an die Macht geputscht und die Pyramide sich selbst als uneinnehmbare Festung gebaut…

Die Forschung spricht hingegen von einer 38 Meter hohen Pyramide, an der über einen Zeitraum von 300(!) Jahren erbaut wurde.

Maya-Ruinenstadt Uxmal, Yukatan, Mexiko
Die Anwohner der Gegenwart: Leguane sind scheu, flink und allgegenwärtig