»Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen«

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NEUE REIHE Über den Umgang mit Tod & Trauer: Kreative & zeitgemäße Ideen im 21. Jahrhundert

»Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen«

In den letzten fünf Jahren fanden mehr als 100.000 dieser besonderen, von einem privaten Gastgeber moderierten Abendessen in über 30 Ländern statt, bei denen sich Freunde, Bekannte, Kollegen und Fremde zu dem vermeintlich heiklen Thema versammelt haben…

Die »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen«-Initiative wurde Ende der 1990er Jahre in den USA von Michael Hebb in der Überzeugung gegründet, dass die Tafelrunde das wirkungsvollste (und am häufigsten übersehene) Kommunikationsmittel ist, um die Welt um uns herum zu verändern.

2013 hat sich die Aktionsgruppe »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen« zu einer Kooperation mit Fachleuten aus verschieden Disziplinen (Onkologen, Grabsteingestalter, Palliativ-Mediziner, Autoren, Kuratoren, Geschäftsführer im Gesundheitswesen, Künstler und viele mehr) zusammengeschlossen, um Synergien fruchtbar zu machen für ihre beiden Hauptanliegen: »Auseinandersetzung mit dem Tod« und »Planung des letzten Lebensabschnitts«.

Vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund ist die Idee zu dieser besonderen Verbindung von »Gesprächen über den Tod und Abendessen« entstanden?

Der Gründer dieser besonderen Tafelrunden, Michael Hebb berichtet in seinem Buch »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen« (Original: »Let’s talk about death over dinner«) über seine Erfahrungen, die er seit 1997 in seiner Heimat, den USA gesammelt hat.

In den USA möchten mindestens 75% aller Menschen zuhause sterben, aber nur rund 25% können sich diesen Wunsch erfüllen.

Das Sterbebett ist zudem auch die Lebensphase, in der hohe Verschuldung/Überschuldung am aller wahrscheinlichsten wird – ausgelöst durch eine teuere Krankenhausbehandlung, die vor allem auf kostspielige lebensverlängernde Maßnahmen setzt. Wenn man jedoch die Betroffenen nach ihren eigenen Wünschen und Prioritäten für diesen Lebensabschnitt befragt, wünscht sich kaum jemand diese Art von Intensivbehandlung…

Auch wenn sich die Ausgangssituation nicht in allen Punkten 1:1 auf Deutschland übertragen läßt, was die Verdrängung und Tabuisierung des Todes angeht, überwiegen die Parallelen.

Auch hierzulande herrscht eine Sterbekultur des Schweigens. Dialoge zwischen Sterbenden, Familienmitgliedern und Ärzten werden häufig bis zum letzten Moment aufgeschoben – wenn sie überhaupt je stattfinden.

Der Preis für das Sich-Ausschweigen über die eigenen Wünsche und Prioritäten für den letzten Lebensabschnitt ist hoch – gleichwohl ist es in westlichen Ländern die Norm.

Eine Reihe von Studien belegen, dass diese Mentalität des Schweigens zu Lasten der eigenen Lebens- aber auch Sterbequalität geht… Neben den Sterbenden selbst, sind auch die Angehörigen auf mehrfache Weise von den negativen Folgen betroffen: das Nicht-zur-Sprache-bringen belastet auf messbare Weise sowohl ihre Gesundheit (Depressionen sind sehr viel häufiger) als auch ihre Handlungsfähigkeit in wirtschaftlichen Entscheidungen (Bestatter-Rechnungen fallen ohne klare Absprache mit den Wünschen der sterbenden Person regelmäßig höher bis sehr viel höher aus).

Läßt sich eine solche Kultur des Schweigens und Verdrängens aufbrechen? Bei einem Abendessen mit ein paar Freunden und Unbekannten??

Let’s talk about death over dinner – Das grundlegende Handbuch zur wichtigsten Konversation im Leben

Ein privater Gastgeber führt durch den Abend: er wählt den Ort (einen privaten Raum, i.d.R. bei sich zu Hause), sorgt für das leibliche Wohl seiner geladenen Gäste und moderiert die wichtigste Konversation im Leben.

Das Gespräch über den Tod findet nicht aus gegebenem Anlass statt, sondern vielmehr geht es darum, einen Anfang zu finden, hineinzufinden in einen gedanklichen Prozess. Es ist ein Anstoß, eine Einladung im besten Sinne, über die eigenen Vorstellungen, Werte und Prioritäten in der letzten Lebensphase nachzudenken und sich darüber auszutauschen.

Es ist o.k. das »Gespräch über den Tod« als ein Experiment zu betrachten und die Einladung mit gesunder Skepsis oder aus wissenschaftlicher Neugier anzunehmen…

Wie müssen wir uns so eine besondere Tafelrunde vorstellen, wie ist es beispielsweise, wenn der Gründer der Initiative, Michael Hebb zu Tisch lädt?

Wie bricht er als Gastgeber das Eis zwischen Bekannten & Unbekannten? Ideen und Erfahrungswerte für die Eröffnungszeremonie (frei übersetzt aus seinem Buch)

Acht Personen, hauptsächlich Unbekannte (Bekannte, Kollegen und Nachbarn von Freunden, die ich per E-Mail kontaktieren konnte) sind meiner Einladung »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen« mit gesunder Skepsis gefolgt. Der Raum war von angenehmen Aromen erfüllt, die aus mehreren köchelnden Töpfen aus der Küche strömten…

Zur Überraschung meiner Gäste, bekam jeder als erstes eine kleine Aufgabe zugeteilt, wie den Tisch decken, die Kerzen anzünden, Wasser in die Gläser einschenken…

Tipp Nr. 1: Die Frage meiner Gäste, ob sie mithelfen können, beantworte ich immer mit einer kleinen Aufgabe. Oft machen wir [in den USA] den Fehler, Gott spielen zu wollen und die Aufgabe der Gäste besteht dann einzig darin, geistreich zu sein und das Essen zu loben. Aber wir sind soziale Wesen und leiten unseren Wert von dem ab, was wir beitragen können. Außerdem lockert es die Atmosphäre, bricht das Eis unter Fremden und hält die Gäste davon ab, sich heimlich zu fragen, wann sie diese merkwürdige Einladung wohl endlich heil überstanden haben.

Eine Tafelrunde unter geladenen Gästen sollte sich wie ein gesundes Geheimnis anfühlen. Das Licht sollte uns an unsere Kindheit, Lagerfeuer und Baumhäuser erinnern.

Das Essen war köstlich aber bodenständig.

Jedes dieser Abendessen beginnt mit der gleichen einfachen Eröffnungszeremonie: »Bevor wir mit dem Essen beginnen, möchte ich, dass jeder von uns reihum, sich an eine Person erinnert, die nicht mehr unter uns ist; jemand, der von uns gegangen ist und einen positiven Einfluss auf unser Leben hatte. Wähle hierfür einfach die erste Person, die dir in den Sinn kommt ohne allzu lange zu überlegen. Nenne uns ihren Namen und erzähle uns, wie sie dein Leben bereichert hat, zünde dann eine Kerze ihrer eingedenk an oder erhebe das Glas auf sie. Die Redezeit pro Teilnehmer beträgt rund eine Minute, da wir alle mit dem Essen beginnen wollen!«

Cynthia trank auf das Wohl ihrer Großmutter. Ihre Rede zeigt exemplarisch eine Schnittmenge aus Trauer, Humor, Freude, Schmerz, Verlust, persönlicher Geschichte, und den Wunsch, eine tiefe Verbindung zu den anderen Teilnehmern dieser ungewöhnlichen Dinner Party aufzubauen. Diese Zutaten sind von zentraler Bedeutung für das Thema Tod, Sterben, Sterblichkeit.

Was sich außerdem herausstellte: Cynthia, die jüngste in der Runde sprach nicht zufällig zuerst. Begierig ergriff sie das Wort. Ihre Mutter – in ihrer eigenen Trauer über den Verlust ihrer Mutter gefangen, hatte es zu einem ungeschriebenen Gesetz gemacht, dass Gespräche über Cynthias Großmutter Tod tabu sind.

Die Folge war, dass Cynthia von ihrem eigenen Trauerprozess abgeschnitten wurde. Gleichzeitig wurde sie aber auch von der Schönheit und Poesie des Lebens ihrer Großmutter abgeschnitten. Wir müssen Zugang und Erlaubnis zu unserer eigenen Trauer zu finden, um wieder Zugang zu unserer ursprünglichen Liebe für einen Menschen zu finden…

Status und berufliche Erfolge sind kein Gesprächsgegenstand in unserer besonderen Tafelrunde. Innerhalb von 15 Minuten wurde stattdessen ein tiefgreifender Sinn für menschliche Gemeinschaft und Zugehörigkeit geschmiedet.

Es war an der Zeit mit dem Essen zu beginnen!

Der Hauptteil der Konversation

Beispiel für eine Leitfrage, um den Gedankenaustausch in Gang zu halten und die Dinner Party für alle Teilnehmer zu einer interessanten Erfahrung zu machen

Michael Hebb empfiehlt 3-4 Fragen auszusuchen, die man für die jeweilige Abendgesellschaft für passend hält; mehr Ideen in seinem Buch

»Hältst du deine formalen Dokumente in guter Ordnung, wie beispielsweise deinen letzten Willen, eine Patientenverfügung, Vollmachten und Versicherungsverträge und falls nein,
warum nicht?«

Geschichte 1: Meine Mutter

…während einer Autofahrt nach Hause, kam meine Mutter – plötzlich aus dem Nichts, darauf zu sprechen, was sie sich im Falle ihres Todes für sich wünscht.

Sie eröffnete mir, dass ihr Haus so gebaut war, dass eine Krankenschwester bei ihr im 2. Stock wohnen könnte. Pflegeheime bereiteten ihr Unbehagen und sie wünschte sich keine einschneidenden Veränderungen. Sie möchte in ihrem Haus oberhalb des Willamette Flusses sterben… Sie erinnerte mich, dass sie eingeäschert werden wollte: wo genau, und dass sie für die Kosten bereits Sorge getragen hatte.

Ihre Unterlagen verwahrte sie an zwei Orten auf. Sie hatte einen Notfall-Ordner angelegt, der Kontaktdaten von Ärzten, Namen von verordneten Medikamenten, eine Patientenverfügung und eine »Verzicht-auf-Wiederbelebung«-Anordnung enthielt. Außerdem gab es einen Schlüssel zu einer Schublade, in der sie Informationen zu Bankkonten, Aktiendepots und einen aktuellen, notariell beglaubigten letzten Willen verwahrte, der Auskunft darüber gab, wie mit jedem Objekt in diesem Haus nach ihrem Tod zu verfahren war. Dort hinterlegte sie außerdem Bargeld für den Fall, dass es für schnelle Entscheidungen benötigt würde…

…Ich fühlte tiefen Respekt für ihren Mut und ihre Gründlichkeit und gleichzeitig Leichtigkeit. Mit dem magischen Trick der klaren Kommunikation, nahm sie die Last und Schwere von mir – von der ich bis dahin nicht einmal ahnte, dass sie auf mir ruhte.

Sie sagte mir, wie sie gewürdigt werden wollte, was sie sich für ihre letzten Monate und für ihren Tod wünschte. Es war eines der größten Geschenke, die meine Mutter mir je gemacht hat.

Chanel Reynolds (2019): What matters most: The get your shit together guide to wills, money, insurance, and life’s »what-ifs«

In Wisconsin (USA, nahe der kanadischen Grenze) befindet sich die 52.000 Seelen Vorzeige-Gemeinde La Crosse, in der – nach über 20-jähriger Lobby-Arbeit, 95% der Einwohner eine Patientenverfügung verfasst haben. Diese außergewöhnlichen Bemühungen haben dazu geführt, dass die Sonderausgaben, die mit dem Lebensende verbunden sind, in La Crosse konstant um 30% niedriger ausfallen als im gesamten Rest der USA.

Abschließend noch eine Anmerkung vom Autor: er selbst musste erst 5 Jahre lang zu »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen«-Tafelrunden einladen und an diesem Buchkapitel schreiben, bis er bereit weit war, seinen eigenen Papierkram in Angriff zu nehmen…

Geschichte 2: Chanel Reynolds, Gründerin von gyst.com (»Get your shit together«)

…ihr Ehemann war erst 43 als er nach einem Fahrradunfall in einer Klinik seinen letzten Kampf verlor. Keiner von beiden hatte eine derart einschneidende, alle bekannten Grenzen überschreitende Erfahrung in seine Gedanken oder gar Planung einbezogen…

Chanel hatte sich urplötzlich zwei dringenden Aufgaben gleichzeitig zu stellen:

sich einerseits auf eine längeren Phase von Trauer und Verlust einzulassen und andererseits musste sie klären, wie sie zukünftig finanziell über die Runden kommen wollte. Ihr wurde schlagartig bewußt, dass sie beide kein Testament aufgesetzt hatten und ihr sämtliche Informationen zu Bankkonten und Versicherungsverträgen, wie Zugangsdaten und Passwörter fehlten.

Chanels Beispiel ist kein Einzelfall, laut einer Umfrage von 2011 haben in den USA 44% der 45-64-jährigen keinen rechtsgültigen letzten Willen hinterlegt. Aber ohne Testament nimmt das gesetzliche Nachlassverfahren seinen Lauf und die nun an dem Verfahren beteiligten Verwandten und die Reihenfolge, in der sie nach der gesetzlichen Erbfolge bedient werden, entspricht ggf. nicht den eigenen Vorstellungen und Wünschen (ganz abgesehen davon, dass ein Verfahren mit x Beteiligten, sehr viel anfälliger dafür ist, sich zeitlich in die Länge zu ziehen).

Chanel erinnert die Zeit, in der sie noch Monate nach dem Tod ihres Gatten mit Anwälten und Finanzplanern zusammen saß, als sehr intensiv. Die Härten dieser Erfahrung, diese kritische Phase um Haaresbreite nicht stemmen zu können, inspirierte sie zu dem Buch, das sie sich in jener Zeit selbst sehnlichst als Begleiter gewünscht hatte: eine Schritt-für-Schritt Anleitung und Erklärung betreffend Testamente, Geld, Versicherungen, einschließlich »Was-Wäre-Wenn«-Szenarien.

Was hat es mit dem Essen aus sich? Warum sind Essen und ein moderiertes Gespräch über den Tod eine ideale Verbindung?

Der Initiator dieser besonderen Tafelrunden ist davon überzeugt, dass der Esstisch in der abendländischen Kultur der wichtigste kulturelle Schmelztiegel im kleinen Kreis ist, der uns Menschen zur Verfügung steht:

Entscheidende Momente in der Geschichte wurden während eines gut gedeckten Tischs entschieden: Thomas Jefferson beispielsweise, der dritte Präsident und Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, lud im Juni 1790 zu einem Abendessen, bei dem das Finanzsystem des Landes und der Ort der zukünftigen Hauptstadt festgelegt wurden… Oder denken wir an die Gelage der griechischen Symposien, denen wir es zu verdanken haben, dass wir Sokrates und Plato die Geburtsstunde der Demokratie zuschreiben… Der Esstisch war das Epizentrum allen Familienlebens seit wir Mahlzeiten einnahmen…

Ein sorgfältig zubereitetes Essen mit handverlesenen Zutaten verwandelt selbst eine einfache Mahlzeit in eine Stärkung, deren Düfte und Gerüche unser zentrales Nervensystem ansprechen und ihm zuflüstern: »Du bist in Sicherheit«.

Es ist immer eine gute Idee, etwas zu essen, während wir über den Tod sprechen. Speis und Trank sagen: »Du bist am Leben, du bist lebendig«. »Gemeinsam Brot brechen« ist ein Synonym für »sich mit einander zu verbinden« oder – wie in der Eucharistie, »sich mit etwas mehr Spirituellem« zu verbinden.

Wenn Sie zu sich nach Hause zu einer »Laßt’ uns gemeinsam zu Abend essen und über den Tod sprechen«-Runde einladen, empfiehlt der Autor, die Gerichte schmackhaft aber einfach zu halten, da es Ihren Gästen sofort auffallen würde, wenn Sie sie mit geteilter Aufmerksamkeit empfangen, weil ein Teil Ihrer Konzentration bei der Umsetzung eines aufwändigen Rezepts ist.

Praktische Informationen & Resümee

»Innehalten: Hier beginnt das Reich der Toten«,

Wie kommen diese besonderen Gesprächsrunden über den Tod zustande? Wie finden die Teilnehmer zueinander?

Kann ich selbst die Initiative ergreifen und zu diesem besonderen Gespräch einladen? Zugegeben, das Thema ist etwas ungewöhnlich. Wen könnte ich mit meiner Initiative ansprechen und wie mache ich das am besten?

Michael Hebb schlägt vor, die Einladungen per E-Mail zu versenden an Freunde, Bekannte, Kollegen, aber auch Partner, Eltern, Großeltern, Kinder bis hin zu sog. Unbekannten (deren E-Mailadresse Sie aber in Erfahrung bringen können).

Auf seiner Webseite https://deathoverdinner.org/#who stellt er eine Schritt-für-Schritt Anleitung zur Verfassung der passenden E-Mail zur Verfügung:

dabei wird berücksichtigt, in welcher Beziehung Gastgeber und Gast stehen, und was die Hauptmotivation des Gastgebers ist, diese Einladung auszusprechen.

Außerdem hat er ein kleines Kompendium mit kurzen Texten, Videos und Audios zu den Themen »Tod« und »Sterben« zusammengestellt, die der Einladung beigefügt werden können.

Mehr Ideen, Tipps und Erfahrungsberichte zur »Dinner Party« in seinem Buch:

Michael Hebb (2018): Let’s talk about death (over dinner): An invitation and guide to life’s most important conversation

Insbesondere für weiterführende Fragen ist das Buch eine wertvolle Informationsquelle:

* Welche Erfahrungen hat der Autor mit anderen Leitfragen/ Hauptgesprächsthemen gemacht? Das Spektrum reicht von humorvoll, praktisch, visionär, phantasievoll, nachdenklich bis absurd;

* »Wie beende ich ein Gespräch über den Tod?«;

* »Wie meistere ich die feine Linie zwischen Emotionen zulassen, bzw. was kann ich tun, wenn ein Gespräch (emotional) zu entgleiten droht?«;

* Nicht jeder, der auf den Tod angesprochen wird, fängt augenblicklich an zu sprudeln, wie löse ich das auf? uvm.

Sollte ich eine Einladung zu einem dieser besonderen »Gespräche über den Tod beim Abendessen« annehmen oder gar selbst eine aussprechen?

Was sind die wahrscheinlichen Folgen dieser besondere Gesprächsrunde für das eigene Leben?

Michael Hebbs Tischgesellschaften setzen zeitlich zu einem unabhängigen Zeitpunkt an: er lädt Menschen jeden Alters zu einem freiwilligen Dialog ein, ohne dringenden Anlass.

Seine Hauptmotivation ist, die Art und Weise wie wir über den Tod sprechen, zu verändern. Die Kraft des Todes als Bestandteil des Lebens anzuerkennen und für das Leben fruchtbar zu machen: für ein besseres Leben, aber auch für einen besseren Tod.

Das Gesprächsangebot über den Tod macht uns letzten Endes offener und zugänglicher für Gespräche über den Tod. Allen Schwerkranken und Sterbenden brennt vor allem ein Thema unter den Nägeln: der Tod. Sie sind versessen mit uns über das zu sprechen, was sie am meisten umtreibt und dankbar, wenn wir sie dazu eingeladen und ihnen die Erlaubnis dazu geben können.

Während persönliche Transformation in Form von Selbstoptimierung (Besuch von Therapieangeboten, Meditationsklassen, Fitnessstudios etc.) in aller Munde zu sein scheint, werden Tod und Wiedergeburt als fester Bestandteil aller Transformation nahezu immer übersehen.

Es kommt uns nicht in den Sinn, den Tod als Dreh- und Angelpunkt all unserer persönlichen Transformation anzusehen und unser Leben im Kontext des Todes zu optimieren. Der Tod kennt viele Gesichter und Schattierungen: der Verlust einer geliebten Person; die bittersüße Tatsache, dass wir alle sterblich sind; aber auch Goethes »Stirb und Werde«: die vielen kleinen Dinge in uns, die zuerst absterben müssen, damit wir wachsen und unser authentisches Selbst ausleben können.

Der Grundgedanke dieser besonderen Gesprächsrunden ist, jedem einzelnen Zugang zu möglichst vielen Schattierungen des Todes zu ermöglichen, um mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu genießen – im Leben und im Tod.

Die naheliegende, trivial anmutende und nachweislich effektivste Weise mehr über die Vorstellungen eines anderen im Zusammenhang mit Tod, Sterben und Abschied nehmen zu erfahren, ist nachzufragen. In der überwältigenden Mehrheit aller Fälle passiert aber genau das nicht. Wir fragen nicht nach, weder als Arzt noch als Familienmitglied.

Wenn wir aber nachfragen und unsere Pflege an den Wünschen des anderen orientieren, sind die Ergebnisse außergewöhnlich. Umgekehrt führt das Nichtnachfragen in den allermeisten Fällen zu einer Kluft zwischen den unerfüllten Wünschen des Sterbenden und dem was die Angehörigen für angemessen halten. Leiden auf beiden Seiten ist vorprogrammiert. Ärzte, aber auch Familienmitglieder, wenn sie überhaupt nachfragen, schieben die Frage oft bis kurz vor dem Ende auf.

Eine Reihe von Studien belegen, dass Schwerkranke, die ihre Ziele und Wünsche in der Pflege mit ihren Ärzten abgeklärt haben, wesentlich weniger leiden, körperlich fitter sind und über einen längeren Zeitraum kontaktfähig sind. Sie melden sich zeitiger in einem Hospiz an, sterben aber nicht früher, im Gegenteil, im Durchschnitt leben sie länger.

Neben dem größeren Leiden auf beiden Seiten und einem zumeist früheren Tod, bedeutet das Nichtnachfragen fast immer auch wirtschaftliche Einbußen. Angehörige, die in der ersten Trauerphase ohne klare Absprachen und Vorsorgepläne Bestattungsinstitute besuchen, geben dort eigentlich immer (sehr viel) mehr Geld aus. Mitunter auch Geld, das sie eigentlich gar nicht haben. Bestatter erweisen sich in solchen Momenten als Verkaufsgenies – auch wenn die verstorbene Person sich weder das Gekaufte noch die Situation, dass ihre Angehörigen sich ihretwegen finanziell übernehmen, gewünscht hätte…