»Die Mutterkirche der Reformation«

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»Die Mutterkirche der Reformation«

Luthers Predigtkirche & Cranachs weltberühmter Reformationsaltar (1547)

»Stadtpfarrkirche St. Marien: Predigtkirche von Dr. Martin Luther«

Vom ältesten Gebäude der Stadt, der Stadt- und Pfarrkirche »St. Marien« zu Wittenberg ging die Botschaft der Reformation in die Welt.

In »St. Marien« teilte Martin Luther seine Lesart der Bibel mit der Gemeinde, Johannes Bugenhagen predigte hier seine reformatorischen Erkenntnisse. Lucas Cranach der Ältere (um 1472-1553) schuf für »St. Marien« seinen weltbekannten Reformationsaltar.

Das älteste Gebäude der Stadt: die Stadt- und Pfarrkirche »St. Marien« zu Wittenberg (UNESCO-Welterbe-Stätte)

Die Pfarrkirche »St. Marien« wurde 1187 erstmals urkundlich erwähnt, um 1280 entstand der heutige Altarraum.

Die historische Inneneinrichtung wurde nahezu vollständig zerstört während des Bildersturms im Jahr 1522.

Innerhalb der reformatorischen Bewegung keimten Strömungen auf, die sich mit der Frage auseinandersetzten, ob Heiligenbildnisse und andere Bildwerke erlaubt seien in Anbetracht der 10 Gebote, zu denen auch das Verbot zählt, Bildnisse von Gott anzufertigen.

Einige Reformatoren, wie Ulrich Zwingli (1484-1531) sprachen sich für ein absolutes Bilderverbot aus. Mit der Frage an sich waren Christen fast von Anbeginn konfrontiert: das Verbot Bildnisse von Gott anzufertigen wurde aus der jüdischen Religion übernommen und wird in Bezug auf Heiligenbildnisse und andere Bildwerke seit jeher kontrovers diskutiert.

Luther verließ sein Exil auf der Wartburg, um seine berühmten Invokavit-Predigten zu halten, die die Unruhen schließlich beendeten.

Der Innenraum: die Orgel, der Cranach-Altar, das historische Taufbecken, das Grabrelief

Der erste evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache fand nicht in der Schlosskirche (»Thesenkirche«), sondern hier in der Stadtpfarrei »St. Marien« statt.

1523 übernahm Johannes Bugenhagen als erster evangelischer Pfarrer die Stadtpfarrei »St. Marien«. Die Stadtkirche »St. Marien« wird daher mitunter auch als die »Mutterkirche der Reformation« bezeichnet.

Die Orgel

Ein überwiegend moderner Einrichtungsgegenstand: 1983 wurde die Orgel erbaut und zu Martin Luthers 500. Geburtstag geweiht: einige ältere Bauteile aus der Zeit um die Jahrhundertwenden 17./18. Jh. und 18./19. Jh. konnten aber wieder verwendet werden.

Der Cranach-Altar

Das visuelle Zentrum der Kirche: der Wittenberger Reformationsaltar aus dem Jahr 1547/48

Das sicherlich bedeutendste Kunstwerk, das die neuen Glaubensinhalte der Reformation in Bildern vermittelt, ist der Wittenberger Reformationsaltar, der in der Wittenberger Werkstatt von Lucas Cranach d.Ä. entstand und von seinem Sohn Lucas Cranach d.J. vervollständigt wurde.

Der Altar wird als bildhafte Vermittlung der von Philipp Melanchthon verfassten „Confessio Augustana (1530)“ gedeutet und ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen den Wittenberger Reformatoren und den Künstlern.

Der Altar zeigt im Mittelteil und auf den beiden Flügeln die drei Sakramente, Taufe (links), Abendmahl (Mitte) und Beichte (rechts):

Im linken Flügel tauft Philipp Melanchthon. Zwei Paten assistieren ihm, wobei angenommen wird, dass der Pate mit dem Taufkissen, ein Selbstbildnis von Lucas Cranach d.Ä. ist.

Der mittlere Teil des Triptychons
stellt das Abendmahl dar. An dem runden Tisch können einige Teilnehmer als Luthers Zeitgenossen identifiziert werden: Luther selbst wird als Junker Jörg dargestellt, ein junger Mann reicht ihm im vorderen rechten Bildrand einen Becher mit Wein. Links im Bild schiebt Christus dem Verräter Judas (im symbolisch gelben Gewand) ein Stück Brot in den Mund. Den Beutel mit seinem Lohn für den Verrat hält Judas in der Hand. Im Hintergrund öffnet sich der Raum und zeigt symbolisch einen Baum (Leben) und eine Burg („Eine feste Burg…“).

Der rechte Flügel ist dem Stadtpfarrer, Reformator und Beichtvater Martin Luthers, Johannes Bugenhagen, der gerade eine Beichte abnimmt, gewidmet.

Die Predella zeigt Luther von der Kanzel aus predigen, seine rechte Hand deutet eine Art Segensgeste an, während seine linke Hand auf Bibel ruht. Ihm gegenüber am linken Bildrand sitzt die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde, an die er sich wendet.

Der Raum zwischen Luther und der Gemeinde, wird von einer ungewöhnlichen, rein gedanklich vorgestellten Kreuzigung Christi ausgefüllt.

Das historische Taufbecken

Das älteste Ausstattungsstück der Kirche
(Bildhauer: Hermann Vischer der Ältere aus Nürnberg, um 1425-1488)

Seit 1457 steht das von Hermann Vischer geschaffene Taufbecken in Luthers einstiger Predigtkirche. Lucas Cranachder Ältere (um 1472-1553) und vermutlich auch sein Sohn, Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586) wurden über diesem Becken getauft.

Über die Jahrhunderte ist das Becken mehrmals räumlich gewandert. Aktuell wurde ein Standort näher in der Gemeinde gewählt, der theologisch die Taufe als Eingangsstufe zum Abendmahl symbolisiert.

Gegenwärtig ist die Anzahl der Taufen allerdings stark rückläufig, maximal 10 im Jahr.

In jedem Fall gibt es mehr Bestattungen.

Das Grabrelief

Das Grabrelief für Johannes Bugenhagen (1485-1558) im Innenraum der Kirche