Die Schlosskirche zu Wittenberg

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Die Schlosskirche zu Wittenberg

Vom Stadtzentrum weithin sichtbar überragt der knapp 90 Meter hohe Schlosskirchturm die Lutherstadt Wittenberg. Die Wittenberger Schlosskirche mit ihrer Pickelhauben-Dachkonstruktion ist weltberühmt.

Unter der neugotischen Turmhaube (nachträglich ergänzt: 1885-92), befindet sich ein Spruchband aus Mosaiksteinen, dessen metergroße Buchstaben die Worte aus Luthers Kirchenlied »Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen« in die Welt tragen.

Um 1340 wurde die »Allerheiligenkapelle« für liturgischen Dienst erstmals erwähnt, an deren Stelle Kurfürst Friedrich der Weise die weitaus mehr Platz bietende Schlosskirche errichtete, die 1509 zunächst als »Universitätskirche« eingeweiht wurde.

Das Thesenportal

Das Bogenfeld über dem Portal zeigt Christus am Kreuz vor der Silhouette von Wittenberg. Luther hält eine in die deutsche Sprache übertragene Bibel in der Hand und Melanchthon das erste große Bekenntnis der Reformation (die »Confessio Augustana«, 1530). In das Portal sind die 95 Thesen »gemeißelt«

95 Thesen gegen den Ablasshandel

Der Überlieferung nach schlug Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an das Hauptportal der Schlosskirche. Diese gelten heute als Ausgangspunkt der Reformation.

Als historisch gesichert gilt, dass Luther an jenem Tag seine Thesen an hohe geistliche Würdenträger sandte (dass er darüber hinaus zu früh morgendlicher Nebelstunde verstohlen Thesen an eine Eingangstüre heftete, kann hingegen nicht einwandfrei belegt werden).

Wie kam es zum Ablasshandel?

»Mich wundert, dass bei solchem unermesslichem Wucher die Welt noch steht.« Martin Luther

Einer der Adressaten war Erzbischof und Kurfürst Albrecht von Brandenburg (1490-1545, Erzbischof von Magdeburg, Erzbischof von Mainz, Kurfürst von Mainz), der geistliche und weltliche Macht auf beispiellose Weise in seiner Person vereinte.

Eine solche Machtkonzentration verstieß eigentlich gegen das Kirchenrecht:

Albrecht zahlte insgesamt knapp 25.000 Gulden an die römisch-katholische Kirche, um die päpstliche Zustimmung zu seiner Wahl zum Erzbischof von Mainz zu erreichen sowie für die Verleihung der bischöflichen Insignien.

Papst Leo X. wollte mit dieser hohen finanziellen Forderung eigentlich verhindern, dass Albrecht »doppelter Bischof« werden konnte. Stattdessen nahm Albrecht für die Transaktion einen Kredit bei dem Bankhaus Fugger auf, mit dem Ansinnen, den Kredit durch die Einnahmen aus dem Ablasshandel zu begleichen.

Um das lukrative Geschäft mit der Sündenvergebung zu befeuern, beschäftigte Albrecht sogenannte Ablassprediger.

Der Dominikaner-Mönch Johannes Tetzel (1465-1519) erlangte mit seinen Predigten und »Festpreisen« für die Vergebung bestimmter Sünden große Popularität: ein Mord macht vier Dukaten, ein Kirchenraub kann mit neun Dukaten gesühnt werden.

Luther beklagte, dass dieser Handel zu dem Glauben führe, dass keine Sünde so groß sei, dass sie nicht mit käuflichen Ablassbriefen gesühnt werden könnte.

»Man soll die Christen lehren, den Armen etwas zu schenken und den Bedürftigen zu leihen, anstatt Ablass zu kaufen«. Jedem wahrhaft Reuigen gebühre die Vergebung von Strafe und Schuld auch ohne den Kauf eines Ablassbriefes. Die geistlichen Empfänger der Thesen reagierten zurückhaltend auf Luthers Streitschrift.

Um die Jahreswende 1517-18 gelangten die Thesen (durch einen Leak) an die Öffentlichkeit und gingen prompt in Leipzig, Nürnberg und Basel in die Vervielfältigung.

Die gedruckten Exemplare verbreiteten sich rasant und gelangten auch über die Landesgrenzen hinaus. Auch wenn die Thesen ursprünglich nicht für das Volk bestimmt waren, veröffentlichte Luther im März 1518 eine volkstümliche Fassung seiner Schrift, die 16 Auflagen erreichte.

Die zwei Hochgräber im Kircheninnenraum

Martin Luthers Tumba

Bei einer Tumba handelt es sich um eine Art Hochgrab, bei dem die Grabplatte mit Inschrift (Name, Lebensdaten) nicht in den Boden eingelassen ist, sondern auf einem rechteckigen Unterbau aus Stein ruht.

Wie im ausgehenden Mittelalter und bis in die Frühe Neuzeit üblich, ist ein gestaltetes Grabzeichen im Chorraum der Kirche einer kleinen kirchlichen und weltlichen Elite vorbehalten.

Hier in der Schlosskirche befinden sich u.a. die Erinnerungszeichen für die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie für den Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen.

Philipp Melanchthon [eigentlich: Philipp Schwarzerdt] (1497-1560): Reformator, Humanist

Nach Studienaufenthalten in Heidelberg und Tübingen, kam M. 1518 als Professor für Griechische Sprache an die Universität Wittenberg.

Als Universitätsgelehrter motivierte er Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen. In Kursachsen führte er eine große Schul- und Universitätsreform durch, die später anderen Ländern zum Vorbild wurde.

M. war der wichtigste Mitarbeiter Luthers, der entweder bei wichtigen Streitgesprächen mit Vertretern der römischen Kirche zugegen war oder aber, wenn der geächtete Luther selbst nicht erscheinen konnte, selbst in den Verhandlungen mit der römisch-katholischen Kirche glänzte.

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Luthers und Melanchthons Arbeitsweisen ergänzten sich: Luther arbeitete unermüdlich an einer neuen Theologie, während Melanchthon die Systematik hierfür übernahm. So war es Melanchthon, der die erste gültige Zusammenfassung der reformatorischen Lehre verfasste (1521: »Loci communes«, die erste evangelische Dogmatik).

Melanchthon schrieb auch das erste große Bekenntnis der Reformation (1530: »Confessio Augustana«). Bis heute werden evangelische Pfarrer unter anderem mit diesem Bekenntnis feierlich in ihr Amt eingeführt.

Der Fürsprecher

Friedrich der Weise (1463-1525): Kurfürst von Sachsen, Förderer des Reformators Martin Luther

Friedrich der Weise (1463-1525): Kurfürst von Sachsen, Förderer des Reformators Martin Luther Während seiner Regierungszeit hielt er sein Herrschaftsgebiet, das er zusammen mit seinem Bruder, Johann dem Bestätigen (1468-1532) regierte, aus kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und förderte Wissenschaft und Kunst.

Wittenberg baute er zur repräsentativen Residenzstadt aus mit Schloss und neuer Schlosskirche (1507). 1502 gründete er die Universität.

Obgleich selbst tief durchdrungen von spätmittelalterlicher Frömmigkeit und darauf bedacht, seine Neutralität in der Glaubensfrage zu betonen, erkannte er die Reformbedürftigkeit der römischen Kirche seiner Zeit. Dass er Luther vor der Kirchengerichtsbarkeit schützte, zählt bis heute zu seinem historischen Vermächtnis.

Die Lutherrose

Das Familienwappen der Familie Luther

Das Wappen von Luthers Herkunftsfamilie zeigt in der Mitte ein Kreuz auf einem roten Herz, über einer weißen Rose auf blauem Grund.

Die Lutherrose

Das Familienwappen der Familie Luther

Das Wappen von Luthers Herkunftsfamilie zeigt in der Mitte ein Kreuz auf einem roten Herz, über einer weißen Rose auf blauem Grund.

Architektonisches Detail: ein Radleuchter vor neugotischen Deckenstreben