Buddhismus, Tod und Wiedergeburt im goldenen Land MYANMAR

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Zur Bedeutung von Tod und Bestattung im endlosen Kreislauf von Leben und Wiedergeburt

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Buddhismus, Tod und Wiedergeburt im goldenen Land MYANMAR (vor 1989: Birma oder Burma [engl.])

Das südtropische Land grenzt im Norden an Bangladesh und China, im Süden verläuft die Landesgrenze zu Laos und Thailand. Bangkok ist für viele Reisende der nächstgelegene »Grenzübergang«.

Das Land erstreckt sich zu großen Teilen entlang der knapp 2.200 km langen Hauptlebensader, dem Ayeyarwady (vor 1989: Irrawaddy), der im Himalaya entspringt und in den Indischen Ozean mündet. Bedeutende Städte wie Yangon (vor 1989: Rangun und bis 2005 Hauptstadt) und Bagan (Pagan) liegen am Ayeyarwady.

Myanmar weist alle Merkmale einer multi-ethnischen und multireligiösen Gesellschaft auf. Aufgrund der starken Verbindung des Buddhismus mit der lokalen Naturreligion und rund 80% praktizierenden Buddhisten (90% bekennende Buddhisten), leben die Anhänger anderer Religion nicht selten als »Wilde« in Rückzugslagen. Nur eine kleine Minderheit von ihnen lebt als intellektuelle Oberschicht in der ehemaligen Hauptstadt Yangon, die einst für ihre Toleranz und Vielfalt berühmt war.

Eine Weltreligion stellt sich vor

Der Buddhismus ist nach dem Christentum, Islam und Hinduismus die Religion mit dem viertgrößten Verbreitungsgrad weltweit.

Sein Ursprung geht zurück auf die Lehren des historischen Buddha, Siddhartha Gautama. Die neuere Forschung datiert seine Lebensumstände um das 6. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien und Nepal.

Ein Leben nach den Lehren des Buddha ist die Voraussetzung für ein tiefes Verständnis der menschlichen Natur, Weisheit und eine Verbesserung des Karma.

Das hehre Fernziel ist das Durchbrechen des endlosen Kreislaufs von Leid/Leben und Wiedergeburt kraft Erleuchtung. An die Stelle der Wiedergeburt tritt in dieser Ausnahmekonstellation das Nirwana.

Die gesamte beseelte Welt (Gottheiten, Geister, Menschen, Tiere) ist dem Zyklus aus Leid/Leben-Tod-Wiedergeburt unterworfen, wobei es eine Rangfolge gibt, in der Männer über Frauen und Menschen über Tieren stehen. Die Form der Wiedergeburt hängt von der Qualität des vorherigen Lebens ab.

Der Buddhismus: Weltreligion und besondere lokale Ausprägung

Die besondere Ausprägung des Buddhismus in Myanmar

Der Buddhismus ist die treibende Ökonomie, die das Land zusammenhält, ein Religionswechsel gleicht daher beinahe Landesverrat. Mindestens 80% der Bevölkerung sind praktizierende Buddhisten.

Die Buddhisten in Myanmar, wie auch in den angrenzenden Nachbarländern, folgen zumeistder Theravada-Schule (»Doktrin der Älteren«), die als die orthodoxe, strengere und asketischere Form gilt, deren Ansprüche schwer zu erfüllten sind.

Die wichtigsten Glaubensgrundsätze sind: die Betonung liegt auf dem Individuum, das die Gesamtheit aller seiner Lebenstaten zu verantworten hat. Fleiß, Opferbereitschaft, Disziplin und der Dienst am anderen verbessern die Aussichten auf Erleuchtung und Nirwana.

Buddhistische Mönche

Die Bedeutung der Klöster im Alltag

Mönche bewahren, verkörpern und vermitteln die buddhistische Lehre. In der Öffentlichkeit repräsentieren sie die strenge Befolgung der Praxis ihrer Schule; sie sind Respektspersonen, vor denen man sich verneigt und als gute Tat spendet: Roben und Essen anläßlich des allmorgendlichen Bettelgangs, der die einzige Mahlzeit für Mönche ist.

Ohne die Unterstützung von Laien außerhalb des Klosters gäbe es diese besondere Ökonomie nicht. Die Spenden ermöglichen es Mönchen, ein intellektuelles Leben nach mehr als 200 Regeln zu führen. Ihr Lebensstil ist auf das wichtigste buddhistische (Fern-) Ziel ausgerichtet: das Durchbrechen des Kreislaufs der ewigen Wiedergeburt durch Erlangung des Nirwana.

Buddhismus, Mönche und Klosterlehren durchdringen den Lebensalltag der allermeisten Menschen so stark, dass alles was mit dem Buddhismus verbunden ist, als landestypisch wahrgenommen wird.

Die Stellung der Frau im Buddhismus

Unterricht in einem Klassenzimmer der »Nga Htat Gyi«-Klosterschule: Novizinnen, Novizen und Jungen, die nicht im Kloster leben, werden gleichzeitig unterrichtet

Anders als in anderen Ländern, in denen sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zum buddhistischen Glauben bekennt, ist es eine Besonderheit in Myanmar, dass hier auch Frauen zeitweilig oder dauerhaft in ein Kloster eintreten können.

Von Jungen/Männern wird erwartet, dass sie sich zumindest zeitweilig am Klosterleben beteiligen, jeweils zu wichtigen Wendepunkten in den Lebensphasen: Initiation, junger Mensch, reiferer Mensch.

Klöster sind zudem die Bildungsschmieden des Landes. Myanmar verzeichnet eine signifikant höhere Alphabetisierungsrate als seine direkten Nachbarn und liegt im europäischen Vergleich nur knapp hinter Portugal.

Die lokale Ausprägung des buddhistischen Weltbilds

Mächtiger Buddha, »Shwedagon«-Pagode Charakteristisch für Myanmar ist eine Vermischung und wechselseitige Befruchtung von Buddhismus und lokaler Naturreligion.

Die Welt ist reich beseelt mit Gottheiten, Geistern, Menschen und Tieren. Allen Wesen gemeinsam ist, dass sie den Zyklen der Wiedergeburt unterworfen sind, wenngleich einige ungleich mächtiger sind als andere.

Buddha, Nat und andere Geister der lokalen Naturreligion

Buddha wird den übergeordneten Themen und in weiterer Ferne liegenden Zielen zugeordnet, wie Karma, die (Durchbrechung der) Zyklen der Wiedergeburt, Ewigkeit, Weisheit, Erleuchtung.

Die 37 Nat-Geister: die Nat waren einst selbst Menschen, die vorzeitig einen grausamen Tod sterben mussten, der sie zu mächtigen und unberechenbaren Geistern gemacht hat. Es bedarf daher spiritueller Experten, die als Medium auftreten: im Namen ihrer Auftraggeber können sie Rituale initiieren, die zwischen Menschen und Nat vermitteln.

Um aber den Alltag und die näher liegende Zukunft zu meistern, werden in vielen Familien Rituale praktiziert, die auf die Magie des althergebrachten Geisterkults vertrauen: durch Opfergaben und Geschenke werden weniger mächtige, aber allgegenwärtige Geister besänftigt, wie etwa der Hausgeist.

Das Bild des Buddha

Gebetshalle auf der Nordseite, »Shwedagon«-Pagode

An einem heiligen Ort, ob Stupa, Pagode/Tempel, Schrein oder Gebetshalle, gilt die Verehrung dem Bild des Buddha.

Das Bild des Buddha ist das am meisten verehrte religiöse Bildnis. Alle anderen Einrichtungsgegenstände, die oft filigran aus beträchtlichen Gold- oder Edelsteinressourcen gearbeitet wurden, dienen lediglich als schmückendes Beiwerk.

Buddha-Bilder aus dem 9.-13. Jahrhundert in Bagan

Ein Buddha kann verschiedene Körperhaltungen einnehmen, sitzende oder stehende Bildnisse sind am häufigsten. Auf dem Bild links nimmt er die Erdberührungsgeste ein, während er sich auf dem rechten Bild in der Geste der Furchtlosigkeit zeigt.

Typische Attribute sind verlängerte Ohren und ein stark in den Körper gesunkener Hals, auch bekannt als der »Elefantenblick«: wollte Buddha seine Blickrichtung ändern, müsste er hierfür seinen gesamten Körper drehen, parallel zur Anatomie eines Elefanten.

Die überirdische Natur Buddhas im Verhältnis zum Menschen wird mitunter auch durch die riesigen Ausmaße der Buddha-Statue unterstrichen, die so raumeinnehmend sein kann, dass manche Stupas nur von wenigen Menschen zur gleichen Zeit besucht werden können. Das trifft beispielsweise auf die bis heute Buddha gewidmete »Mahabodhi Paya«-Pagode aus dem 13. Jahrhundert zu(linkes Bild).

Impression: Gebetshalle, »Shwedagon«-Pagode